Bretton-Woods II - Gobalisierung zähmen
kann die Weltwirtschaft stabilisieren und schützen
China fordert Ende des Dollars als Leitwährung
Chinas Zentralbank fordert jetzt eine umfassende Reform des internationalen Währungssystems und hält langfristig eine Ablösung des Dollars als weltweite Leitwährung für möglich. Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsrahmen für das weltweite Finanzsystem habe die Stärkung der bestehenden Finanzorgane Vorrang gegen über der Schaffung neuer Institutionen. Realistischer weise sollten wir uns aber auf eine stärkere Kontrolle des vom Dollar dominierten Systems konzentrieren, vor allem auf die finanzielle und wirtschaftliche Lage wichtiger Staaten. Die Zuständigkeiten zwischen dem Internationalen Währungsfonds und dem Forum für Finanzstabilität (FSF) sollen viel klarer geregelt werden.Das Forum für Finanzstabilität solle die Standards festzulegen und der Internationale Währungsfonds solle das Aufsichtsorgan des internationalen Finanzsystems werden. Mit Blick auf den bevorstehenden G20-Finanzgipfel am 2. April in London forderte die Vize-Gouverneurin der chinesischen Zentralbank, Hu Xiaolian, eine Stärkung der internationalen Finanzorgane mit dem Ziel, Risiken von Finanzkrisen künftig früher zu erkennen und mit Finanz krisen in Zukunft besser umzugehen. Die Entwicklungsländer sollten mehr Mitsprache bekommen.
„Die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds
haben das Potenzial zu einer übernationalen Reservewährung.“
sagte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan und beschrieb die SZR als "Licht am Ende des Tunnels" für eine Reform des internationalen Währungs- systems. Der Wert der Sonderziehungsrechte bemisst sich an einem Währungs- korb. China hatte seine Währung schon am 21. Juli 2005 an einen regionalen Währungskorb gebunden, der die Gewichtung seiner Handelspartner widerspiegelt und auf Daten zum Außenhandel, zu Auslandsschulden und direkten Auslandsinvestitionen Chinas sowie ausländischen Investitionen in der Volksrepublik basiert.
"Die Währungen in dem Korb hängen von dem Volumen unseres Außenhandels ab", erklärte Zhou Xiaochuan. "Die USA, die Euro-Zone, Japan und Südkorea sind jetzt unsere größten Handelspartner, deshalb sind ihre Währungen natürlich die Wichtigsten in dem Korb."
Das größte Gewicht im Währungskorb hat der US-Dollar mit 30 Prozent, gefolgt vom Euro und dem Yen mit je 20 Prozent und dem südkoreanischen Won mit 10 Prozent. In den restlichen 20 Prozent sind auch der Singapur-Dollar, das britische Pfund, der malaysische Ringgit, der russische Rubel, der australische Dollar, der thailändische Baht sowie der kanadische Dollar enthalten.
Das Sonderziehungsrecht (SZR) ist ein internationales Reserveguthaben, das der IWF 1969 zur Aufstockung der bestehenden Reserveguthaben der Mitglieder (offizielle Goldbestände, Devisen u.a.) einführte. Das SZR dient als Rechnungseinheit des IWF als Grundlage für die Rechnungseinheit anderer internationaler Organisationen und als Basisfür private Finanzinstrumente.
Die Sonderziehungsrechts-Bewertung bemisst sich an einem Währungskorb, der die Bedeutung verschiedener Devisen für den Welthandel widerspiegeln soll.
Der Korb wird alle fünf Jahre überprüft, um dafür Sorge zu tragen,…dass die Gewichtung der Währungen ihre relative Bedeutung im Welthandels- und Finanzsystem widerspiegelt. Eine solche Prüfung liegt jetzt an. In der Krise haben sich die Gewichtungen im Weltfinanzsystem schon rasant verschoben, schon jetzt viel eindrucksvoller als es eventuell verzögert im Welthandel-system passieren wird. Der Wert des SZR in US-Dollar wird täglich als Summe der Werte der einzelnen Beträge der Währungen der Länder mit den größten Exporten an Gütern und Dienstleistungen berechnet. Bis heute handelt es sich hierbei um die fünf Währungen Euro, US-Dollar, japanischer Yen und Pfund Sterling. Heute in Zeiten der Krise und eines Krisenmanagements der neuen G-20 ist diese Gewichtung im IWF-Währungskorb obsolet. Realitätsnäher wäre heute eine Gewichtung der Wirtschaftsräume USA (US-Dollar) – Europa (Euro) – Ostasien (chinesischer Yuan, japanischer Yen) und der real existierenden globalen Handelsströme.
Die Teilnehmer erhalten Sonderziehungsrecht (SZR) im Verhältnis zu ihrer Quote im IWF, um im Bedarfsfall, wie jetzt in der Krise, ihr Reserveguthaben aufzustocken. Die Mittel des IWF stammen vorwiegend aus den Quoteneinzahlungen der Mitglieder, die je nach wirtschaftlicher und finanzieller Stärke des Landes variieren.
Insgesamt liegt das Kapital des Internationalen Währungsfonds bei 217 Milliarden Sonderziehungsrechten (SZR), das entspricht rund 230 Mrd. Euro oder 340 Mrd. US-Dollar. Der Währungsfonds und die USA fordern eine zusätzliche Aufstockung der Reserveguthaben um bis zu 500 Mrd. Dollar. Japan hatte dem Währungsfonds einen Kredit über 100 Mrd. Dollar gewährt, während die Europäische Union 75 Mrd. Euro bereitstellte. Da die Veränderung der Quoten einzelner Länder und ihrer Stimmrechte vermutlich ein langwieriger Prozess sei, könnte der Währungsfonds auch Schuldverschreibungen ausgeben, was kurzfristig ginge. „China wird positiv in Erwägung ziehen, die Schuldverschreibungen zu kaufen“, sagte Hu Xiaolian, die Chefin der chinesischen Währungsaufsicht ist.“
Wie Europa den IWF nutzen kann FTD
07.10.2010
Von Daniel Gros
Europas Politiker wiederholen es gern mantraartig: Die Schwellenländer sind dabei, die bestehende globale Wirtschaftsordnung auf den Kopf zu stellen. Doch wenn es darauf ankommt, diese Realität in den internationalen Finanzorganisationen der Welt anzuerkennen, singen sie ein anderes Lied.
Das gilt insbesondere für die Euro-Zone.
Die Euro-Zone als solche ist in den internationalen Finanzorganisationen nicht vertreten. Stattdessen sitzen beispielsweise im Exekutivdirektorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) zwölf Euro-Länder in sechs verschiedenen Stimmrechts- oder Ländergruppen. Zusammen mit der skandinavischen und britischen Gruppe macht dies also acht EU-Vertreter im Exekutivdirektorium des IWF. Da es laut Satzung des IWF nur 20 Ratsmitglieder geben kann, bedeutet dies, dass 40 Prozent der Mitglieder aus der Europäischen Union und ein Drittel aus der Euro-Zone stammen.
Der IWF ist ein Paradebeispiel für die Art und Weise, wie die Europäer in den internationalen Gremien überrepräsentiert sind. Doch anders, als man im ersten Moment denken mag, verringert die überhöhte Zahl der Europäer tatsächlich den europäischen Einfluss, weil die einzelnen Länder in der Regel nur nationale Interessen verteidigen…
Die einzige Lösung, die diesen Zustand fortgesetzten Elends beenden kann, ist eine Zusammenführung der IWF-Quoten aller Euro-Länder. Die Euro-Zone hätte damit eine Stimmrechtsgruppe (einen Sitz) im Exekutivdirektorium des Fonds… Der Vertreter der Euro-Zone wäre sehr einflussreich, denn er würde eine noch größere Quote repräsentieren als die der USA. Tatsächlich wäre die faktische Dominanz des US-Finanzministeriums innerhalb des IWF damit Geschichte…
Da sich kein europäisches Land bereit erklärte, seinen Sitz im IWF-Exekutiv-direktorium aufzugeben, bestand der einzige Ausweg darin, für die dynamischen, unterrepräsentierten Schwellenländer immer mehr temporäre Sitze hinzuzufügen. Dieser Prozess kann sich jedoch nicht endlos fortsetzen, denn mit jeder zusätzlichen Vergrößerung verliert das Exekutivdirektorium an Effektivität. Dies ist der Grund, warum die USA nun beschlossen haben, die Europäer zu provozieren. Die Amerikaner (die ein Vetorecht haben) wollen einer erhöhten Zahl an Exekutivdirektoren (gegenwärtig sind es 24) nicht länger zustimmen…“
Währungskrieg Der große Abwertungswettlauf und seine Folgen
Extrem lockere GeldpolitikWährungskrieg belastet Europa
Finanzmarktreform IWF kritisiert Regulierungsschwätzer
Aufruf zu globalen Lösungen IWF-Chef warnt vor Währungskriegen
Weltbank: Gewichtsverschiebung in der Finanzpolitik
Die Presse
10.10.2010
Von Thomas Vieregge
„War nach dem Kollaps der westlichen Finanzmärkte vor zwei Jahren noch Kooperation das Zauberwort zur Bewältigung der globalen Krise, so treten die Interessenkonflikte in den Nachwehen umso akzentuierter hervor.
Mit dem Selbstbewusstsein aufstrebender Wirtschaftsmächte und aus einer Position der Stärke heraus – die Krise hat sie weit weniger getroffen als die etablierten Industrienationen – drängen die Schwellenmächte den Einfluss der lange dominierenden US-Ameri-kaner und Europäer zurück, die in schöner Harmonie jahrzehntelang die Spitzenpositionen in der Weltbank und dem IWF unter sich aufgeteilt haben.
Besonders aggressiv tritt dabei China auf, das Währungsreserven von 2,5 Billionen Dollar gehortet hat – ein Umstand, der US-Finanz-minister Timothy Geithner sichtlich irritiert… Er hatte im Vorfeld der IWF-Herbsttagung massiven Druck gegenüber Peking aufgebaut, die chinesische Währung aufzuwerten. Nach Einschätzung von US-Finanzexperten liegt der Renminbi 40 Prozent unter seinem tatsäch-lichem Wert…
Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan konterte süffisant, der schwache US-Dollar, die niedrigen Zinsen und das schleppende Wachstum in den USA seien mitverantwortlich für das wirtschaft-liche Ungleichgewicht. „Die größten Probleme sind die langsamen Fortschritte der Industriestaaten bei der Reform ihrer Finanzsysteme und die anhaltende Abhängigkeit ihrer Finanzbranchen von staatlicher Hilfe“, stichelte er.
China gibt USA Schuld an Währungsstreit
„Im Währungsstreit wirft China den USA vor, den Konflikt mit einer massiven Abwertung des Dollar ausgelöst zu haben.
Die staatliche Zeitung "Renmin Ribao", die auch als KP-Zentralorgan gilt, veröffentlichte am Donnerstag auf ihrer Titelseite einen Leitartikel des Wirtschaftswissenschaftlers Li Xiangyang.
Darin wirft der Ökonom den USA vor, den Dollar absichtlich nach unten zu treiben, um die einheimische Exportwirtschaft zu schützen. Die USA kritisieren die chinesische Währungspolitik aus demselben Grund.
"Die Abwertung des Dollar mag so aussehen, als wären Marktkräfte dafür verantwortlich", erklärte Li."In Wahrheit ist die Abwertung aber auf sehr starke Eingriffe zurückzuführen." So stehe hinter der jüngsten Dollar-Schwäche etwa die Ankündigung der US-Notenbank, auf einer ihrer nächsten Zinssitzungen weitere Geldspritzen zur Stützung der Konjunktur zu beschließen. Die Motive für diese Währungspolitik lägen auf der Hand, schreibt Li. Ohne einen schwächeren Dollar würden die USA nämlich das von Präsident Barack Obama ausgegebene Ziel verfehlen, die Exporte innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.
Zudem diene eine Dollar-Schwäche auch den langfristigen Interessen der USA, weil eine Abwertung die Inflation begünstige und sich dadurch die im Zuge der Finanzkrise aufgetürmte Schuldenlast der US-Regierung verringere, erklärte der Ökonom. Während es in der weltweiten Finanzkrise darum gegangen sei, dass der Staat die Schulden von Unternehmen übernimmt, legten es die USA nun darauf an, ihren nationalen Schuldenberg auf Kosten anderer Staaten abzubauen.“
Wackelt der Dollar als Leitwährung?
Wienerzeitung
Von Hermann Sileitsch
25.03.2009
„Der chinesische Zentralbank-Chef „... Zhou schlug vor, den Dollar durch einen Währungskorb zu ersetzen, der als Verrechnungseinheit beim Internationalen Währungsfonds (IWF) geführt werden sollte. Ein solches... Instrument gibt es:
Die sogenannten Sonderziehungsrechtedienen als Kreditlinie und werden anhand von Euro, Yen, Dollar und Pfund errechnet. Nach Chinas Vorstellung könnte dieser Korb um den russischen Rubel und chinesischen Yuan ergänzt werden – und sollte nicht nur in Geschäften mit dem IWF, sondern als generelles Zahlungsmittel im Welthandel dienen. Letztlich könnte das auf ein System fester Währungskurse hinauslaufen...Anlass ist die Sorge, dass sich die USA auf dem Wege einer Dollar-Entwertung eines Teiles ihrer Schuld entledigen – und damit die chinesischen Ersparnisse entwerten. Chinas Dollar-Reserven werden auf 2000 Milliarden geschätzt; mehr als 700 Milliarden entfallen auf US-Staatsanleihen. Die Asiaten haben produziert und exportiert, was die Amerikaner nicht minder eifrig konsumiert haben. Beide sind eng mit einander verbunden – die Schulden der USA und Chinas Reserven sind letztlich zwei Seiten ein- und derselben Medaille: Denn wenn China den Plan hegen sollte, die US-Staatsanleihen in großem Stil auf den Markt zu werfen, so würde das den Dollar schwächen und somit Chinas eigene Anlagen entwerten.“
US-Finanzminister Timothy Geithner hat sich zuletzt positiv zum chinesischen Vorschlag einer Änderung des internationalen Währungssystems geäußert. Er sei gegenüber einer Ausdehnung der Sonderziehungsrechte des IWF "ziemlich offen", sagte der US-Finanzminister in New York. Er sehe nicht die Gefahr einer Schwächung des US-Dollar als Weltreservewährung. Der Vorschlag solle als eine Weiterentwicklung der gegenwärtigen Architektur betrachtet werden - nicht als ein Schritt zu einer weltweiten Währungsunion.
US-Präsident Barack Obama hat sich allerdings gegen eine von China vorgeschlagene "Weltwährung" ausgesprochen. Er hält eine Reform nicht für notwendig, in der Annahme, dass der Dollar eine "starke globale Leitwährung" sei.
1. Die momentane Stärke des US-Dollars beruhe auf dem weltweiten Vertrauen in die US-Regierung.
2. Er habe den Eindruck, dass dieses Vertrauen seit seiner Amtsübernahme angestiegen sei.
Am Ende des II. Weltkriegs war der US- Dollar in den Rang einer globalen Leitwährung gehoben worden und genoß seitdem eine unbestrittene Vormacht-stellung, die der amerikanischen Wirtschaft Einfluss und geldwerte Vorteile sicherte. Bis heute wird im Öl- und Gold-Handel in der Regel der US-Dollar als Transaktionswährung genutzt. Sechzig Jahre lang haben die Amerikaner von der einmaligen Rolle des Dollar profitiert. Die Krise deckt auf, wie sehr sie über ihre Verhältnisse gelebt haben.
Die russische Regierung hatte in einem Positionspapier zum bevorstehenden G 20- Treffen Anfang April in London ein neues Weltfinanzsystem angemahnt. Sie regte eine neue, gemeinsame Weltwährung unter der Regie eines reformierten Weltwährungsfonds (IWF) an, die auf den Sonderziehungsrechten (SZR) des IWF basiert. Das Sonderziehungsrecht (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) solle den Dollar als bisherige alleinige Leitwährung ablösen. Trotz der jüngsten Abflüsse ist Rußland mit 380 Mrd. US-Dollar Währungsreserven immer noch der drittgrößte Halter von Dollarguthaben.
Der Rubel sollte wie auch der chinesische Yuan und vielleicht andere Währungen in die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden, sagte Arkadi Dworkowitsch, Wirtschaftsberater des Moskauer Präsidialamtes.
Russland und China werden von Indien, Brasilien, Südkorea undSüdafrika unterstützt. Angesichts der Schwankungen des Dollar-Kurses und des ausufernden Haushaltslochs der USA wächst bei vielen Schwellenländern der Wunsch nach einer Alternative zum US-Dollar.
Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin will den führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) in London vorschlagen, diese SZR als eine supranationale "Superreservewährung“ zu vereinbaren. Aus russischen Regierungskreisen hieß es, China und andere Schwellenländer schlössen sich dem russischen Vorstoß zur Etablierung einer neuen, gemeinsamen Weltwährung an.
„Der Ausbruch der Krise und ihre Auswirkungen auf die ganze Weltspiegeln die inhärente Verletzlichkeit und systemimmanenten Risiken des internationalen Währungssystems wider... Im internationalen Finanzsystem muss eine supranationale Reservewährung etabliert werden, die nicht an einzelne Staaten gebunden und deshalb dauerhaft stabil ist." schrieb der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan.
Die gegenwärtige Krise rufe gewissermaßen nach einer neuen internationalen Leitwährung. Zhou machte indirekt den Status quo des Weltwährungssystems für die Finanzkrise verantwortlich. Ohne die unangefochtene Position des Dollars als Reservewährung Nummer eins wäre es der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unmöglich gewesen, seit den Neunzigerjahren eine extreme Niedrigzinspolitik zu fahren.
Dieses billige Geld aber führte zu der Spekulationsblase am Immobilienmarkt, deren Platzen schließlich die Finanzkrise nach sich zog. Zhou erklärte, es sei gefährlich, wenn man sich bei internationalen Finanzgeschäften auf die Währung eines einzigen Landes verläßt. Eine neue Währungsordnung würde die Gefahr künftiger Krisen reduzieren und zugleich die Möglichkeiten zum Krisenmanagement erweitern.
Die neue Reservewährung soll vom Internationalen Währungsfonds (IWF)als einer unabhängigen und in der ganzen Welt respektierten Körperschaft verwaltet werden. Es sei daran zu denken, dass die Mitgliedstaaten Teile ihrer Devisenreserven dem IWF als SZR anvertrauten, schreibt der Notenbank -chef. Zunächst müsse man das System der SZR aber erweitern. Dazu gehöre zum Beispiel die Einführung von Vermögenswerten, die auf SZR lauten. Zhou begrüßte, dass der IWF die Ausgabe von entsprechenden Wertpapieren prüfe.
Nach den Vorstellungen der chinesischen Zentralbank sollen die SZR künftig nicht nur zwischen Regierungen und internationalen Einrichtungen benutzt werden, sondern auch als Zahlungsmittel im Welthandel und bei Finanzgeschäften.
Unabhängig von diesen Plänen dürfte die chinesische Regierung auf dem Weltgipfel Anfang April fordern, die Rolle des IWF als Überwachungsinstanz nationaler – auch der amerikanischen – Politik zu stärken.
Der Vorsitzende des UN-Ausschusses, der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, unterstützt die Initiative Chinas. Einem Bericht des Ausschusses zufolge könnte ein SZR-basiertes System "zu weltweiter Stabilität, wirtschaftlicher Stärke und globaler Gleichheit beitragen". Das System sei "praktikabel, inflationsfrei und könne leicht umgesetzt werden".
In den letzten Jahren hat der Euro als Leitwährung Nummer zwei rasant an Bedeutung gewonnen, insbesondere auch im arabischen Raum der reichen, Erdöl exportierenden Länder. Zehn Jahre nach seiner Einführung macht der Euro bereits ein Viertel der weltweiten Devisenreserven aus. Wie Russland will auch die Europäische Union dem IWF eine neue Rolle zukommen lassen und sie der neuen Währungs- und Finanzordnung anpassen, die aus der jetzigen Krise hervorgehen solle. Auch der Kreml will, dass die Mittel des IWF erhöht werden, wie es die EU gerade beschlossen hat.
In einer zunehmend globalisierten Welt mit Wirtschaftszentren im europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum verliert die Dollar-Leitwährung der verbliebenen Supermacht USA immer mehr an Bedeutung, besonders wenn der US-Dollar weiter an Wert zu verlieren droht.
Der Status des Dollar als Weltleitwährung war bisher ein großes Privileg der Supermacht USA. Da der größte Teil des internationalen Handels in US-Dollar abgewickelt wird, haben amerikanische Institutionen kein Währungsrisiko. Sie können sich sehr viel leichter an den internationalen Märkten verschulden. Solange die Amerikaner keine Auslandsverschuldung in Fremdwährung haben, können sie diese durch ein Anwerfen der Dollar-Druckmaschinen begleichen.
Mit der Einführung der IWF-Sonderziehungsrechte als Leitwährung sollen die Wechselkurse international festgeschrieben werden, um so eine Stabilität der Wechselkurse zu erreichen, vergleichbar mit dem Währungssystem von Bretton Woods von 1945.
Bretton-Woods II:
„Chinas Plan für ein neues Welt-Währungssystem“
28. März 2009
„... Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der amerikanische Dollar stets unbestritten die globale Leitwährung - eine Vormachtstellung, die der amerik. Wirtschaft Einfluss und geldwerte Vorteile sichert. Doch haben die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren des Exzesses so stark auf Pump gelebt, dass sie nun von ausländischen Kapitalgebern abhängig geworden sind - dabei insbesondere von China. Das verleiht dem chinesischen Vorstoß politisches Gewicht.
Der chinesische Zentralbankpräsident Zhou Xiaochuan hat seinen Reform-vorschlag als Fahrplan für eine langfristige Strategie präsentiert. Deren
Ziel:
die Überwindung der Schwächen der aktuellen Währungsordnung, und zwar im Interesse der Weltgemeinschaft - nicht nur der Chinesen.
Das könnte dem Plan Zustimmung von dritter Seite bringen. Der chinesische Zentralbankpräsident Zhou beruft sich auf Keynes. John Maynard Keynes (1883–1946): „Für einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“: Ohne den amerikanischen Dollar zu erwähnen, weist Zhou darauf hin, es sei historisch höchst selten, dass eine "kreditbasierte nationale Währung" als internationale Reservewährung diene. Denn solch ein Arrangement stürze das Land, dessen Währung als Reservewährung genutzt wird, in einen Konflikt: Damit die übrigen Länder die Reservewährung erwerben können,
muss das Reservewährungsland im langjährigen Durchschnitt mehr importieren als exportieren.
Diese eingebaute Tendenz zu Handelsdefiziten und Bedarf an ausländischem Kapital gerät aber immer wieder in Konflikt mit innenpolitischen Zielen wie Preisstabilität. Für Zhou ist dieser innere Widerspruch - in der Fachwelt als "Triffin-Dilemma" bekannt - Ursache für die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Finanzkrisen, insbesondere auch der aktuellen Wirtschafts-krise. Ziel müsse es deshalb sein, eine Reservewährung zu schaffen, die nicht von kreditbasierten nationalen Währungen abhängig sei, schreibt Zhou. Genau dies habe der britische Ökonom John Maynard Keynes bereits in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts getan: "Keynes schlug vor, eine internationale Währungseinheit ,Bancor' einzuführen, die auf dem Wert von 30 repräsentativen Rohstoffen basiert. Leider wurde der Vorschlag nicht akzeptiert." Zhou spielt damit auf die Weltwährungskonferenz im Jahre 1944 im amerikanischen Bretton Woods an:
Damals hatte Keynes einen Plan für eine globale Währungsordnung vorgestellt, doch behielt John Dexter White, der Vertreter der neuen Supermacht Vereinigte Staaten, mit seinem Konzept die Oberhand: Der White-Plan rückte den Dollar, der seinerseits an Gold gebunden war, in den Mittelpunkt des Weltwährungssystems – was die bis heute währende Vorherrschaft der amerikanischen Währung und Geldpolitik begründete...
Grundidee des Konzepts
ist, eine Währung nicht auf einem einzigen Edelmetall wie Gold zu basieren und dadurch von mancherlei Zufälligkeiten abhängig zu machen, sondern vielmehr auf einem Korb von 30 wichtigen und vielgehandelten Rohstoffen. Wie eine auf dem Goldstandard basierende Währung ist solch eine Waren-Reservewährung weder national noch "kreditbasiert": In ihr können die Geschäftsbanken die Menge des umlaufenden Geldes nicht durch Kreditgewährung vermehren. Und wie bei einer Goldstandard-Währung die Zentralbanken Gold halten und nach bestimmten Regeln an- und verkaufen müssen, müssen sie bei einer rohstoffbasierten Währung Rohstoffe in Lagern halten und bei Knappheit verkaufen, Überschüsse hingegen durch Ankäufe aus dem Markt nehmen.
Folgt man den Befürwortern, stabilisiert eine Waren-Reservewährung sowohl das Preisniveau als auch den Konjunkturzyklus. In seinem Aufsatz fordert Zhou, eine Reform des Weltwährungssystems müsse von einer "großen Vision" geleitet seien. Die Schaffung einer internationalen Währungseinheit, die auf Keynes' Vorschlag basiere, sei eine "kühne Initiative, die außerordentliche politische Vision" erfordere. Die "Wiedereinführung" einer neuen und allgemein akzeptierten Reservewährung könne aber lange dauern, räumt Zhou ein.. "Die Sonderziehungsrechte haben die Eigenschaften und das Potential, als eine supranationale Reservewährung zu fungieren", schreibt Zhou weiter. Die chinesische Strategie scheint somit darin zu bestehen, zunächst einmal die Rolle der Sonderziehungsrechte zu stärken und längerfristig an der Schaffung einer Waren-Reservewährung zu arbeiten.“
Inhalt: - Globalisierung zähmen und die Früchte ernten
Verliert die Dollar-Leitwährung ihre Vormachtstellung in der Welt?
erschienen im Januar 2007 bei Monsenstein & Vannerdat
Brennende Fragen der Globalisierung
· Bedrohen „globale Ungleichgewichte“ das Wachstum der
Weltwirtschaft?
· Kann die Auslagerung von Produktion und Arbeitskräften gestoppt werden?
· Verkommt die globale Finanzmacht USA zu einem Schulden-imperium?
· Verliert der US-Dollar seine Vormachtstellung als globale Leitwähr-ung?
· Wie kann der Schuldenberg der privaten US-Haushalte von elf Billionen Dollar abgebaut werden?
· Platzt die Immobilienblase oder wird es eine sanfte Landung werden?
· Wie lange sind die USA die "Wachstumslokomotive" der Weltwirt-schaft?
· Wie lange noch kann der kreditfinanzierte US-Markt die Waren-produktion der Welt absorbieren?
· Wie lange ist die Welt bereit, die wachsenden Handels- und Leistungsdefizite der USA zu finanzieren?
· Wohin mit den riesigen Währungsreserven der Schwellenländer?
· Wird China die Warenströme in den eigenen Binnenmarkt umleiten, wenn der US-Markt nicht mehr aufnahmefähig ist?
· Ist der Ausweg aus der weltweiten Überproduktion die Entwicklung der Binnenmärkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern?
· Führt Globalisierung aufgrund innerer ökonomischer Gesetzmäßigkeit zu einer Verringerung der Armut in der Welt?
· Braucht der „freie“ Weltmarkt faire Regeln und Normen oder Deregulierung?
· Wohin erschieben sich die wirtschaftlichen Kraftzentren in der Welt?
· Sind Renditeziele, Investmentbanking und Profitmaximierung in Zukunft noch zeitgemäß ?
· US-Handels- /Leistungsbilanzdefizite und Währungsreservensind die zwei Seiten der "globalen Ungleichgewichte".
· Eine globale "new economy" ist im Entstehen und hält das weltweite Wirtschaftswachstum am Laufen.
Die„globalenUngleichgewichte“ bedrohen zunehmend das weltweite Wirtschaftswachs-tum. Die Rolle des Dollars gerät als weltweite Leitwährung zunehmend in Gefahr. Die Handels- und Leistungsbilanzdefizite der USA wachsen unaufhaltsam im Gleichschritt mit der Produktivität, den Handels-überschüssen und Währungsreserven von Schwellen ländern, wie China. Das exzessive Streben nach immer höheren Renditezielen, die Gier nach Profiten und Dividenden-ausschütt ungen, der Transfer von Kapital und Technologie von den reichen Industrie- in die Niedriglohnländer und die Sogwirkung der in Übersee entstehenden Binnenmärkte auf das Kapital der entwickelten Industriestaaten bringen die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht und schaffen „globale Ungleichgewichte“... Eine globale "new economy" ist im Entstehen.
In der Ferne ziehen dunkle Wolken am Himmel auf…
Die „globalen Ungleichgewichte“ werden weltweit als wachsende Gefahr für das inter-nationale Finanzsystem erkannt. Der Dollar droht als Leitwähr-ung des Weltfinanzsystems seine Bedeutung zu verlieren und das ganze System ins Wanken zu bringen. Der Druck auf den Wert des Dollars ist schon jetzt so stark geworden, dass es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann er einbricht und im schlimmsten Fall andere Länder mit in den Strudel reißt...
Wirtschaftswachstum um jeden Preis ist das Glaubensbekenntnis der angloamerikanischen Neoliberalen, denn nur so gedeihen und blühen die Geschäfte. Der Preis, den sie dafür zahlen, wird allerdings immer höher und läßt sich ablesen an den roten Zahlen des US-Handelsdefizit, am Defizit der Leistungsbilanz und an der Höhe des Haushaltsdefizits der amerikanischen Regierung.
Das US-Handelsdefizit wuchs, weil die USA weiterhin mehr aus dem Ausland importieren, als sie dorthin exportieren.
Das Leistungsbilanzdefizit der USA lag im Jahre 2004 bei 660 Mrd. US-Dollar und wuchs von Jahr zu Jahr, weil sich die Amerikaner das Geld liehen, das sie für ihren Konsumausgaben und selbst gar nicht besaßen. Sie lebten weit über ihre Verhältnisse.
Das US-Haushaltsdefizit wuchs, weil die US-Regierung sich immer mehr Geld leiht, um die Staatsausgaben und den Konsum zu finanzieren, der ihnen hilf/halft, ihre vom Konsum getriebene „Wachstumslokomotive“ am Laufen zu halten und eine weltweite Rezession zu vermeiden.
Auf der andern Seite sind die Währungsreserven und Guthaben der Schwellen- und Entwicklungsländer seit 1999 immer mehr angeschwollen von damals einer Billionen Dollar auf jetzt fast 3 Billionen Dollar und haben sich innerhalb von fünf Jahren fast verdreifacht. Drei Viertel (3/4) der Reserven sind im Dollarraum angelegt und stützen den US-Dollar. Die Schwellen- und Entwicklungsländer häufen immer größere Guthaben in Dollar an ...
Der zum großen Teil kreditfinanzierte Konsum ist ein wesentlicher Antrieb des Wachstums der US-Wirtschaft, das aufrechterhalten wird durch die weltweit hohe Liquidität, durch die Ideologie des "buy now and pay later" (jetzt kaufen und später bezahlen) und durch die steigenden Immobilienpreise in den USA, die die Amerikaner immer noch mehr zur verstärkter Kreditaufnahme und zu verstärktem Konsum verleiten... das alles hat im Laufe der letzten Jahre zu riesigen Schulden der privaten US-Haushalte geführt, die mittlerweile auf 11 Billionen Dollar angestiegen sind.
Gleichzeitig wurde wenig auf die hohe Kante zurückgelegt, was in einer sehr niedrigen bis negativen Sparquote zum Ausdruck kommt. Die amerikanischen Normalbürger haben fast keine Rücklagen angespart und sind so für Notzeiten schlecht gerüstet. Konsum und Wachstum um jeden Preis ist das neoliberale Rezept, mit dem es gelang, nach den Turbulenzen und der Abwärtsspirale um die Jahrhundertwende die Wirtschaft durch die Talsohle hindurch wieder auf Wachstumskurs zu trimmen. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (FED) hatte nach dem 11. September 2001 die Leitzinsen relativ schnell fast auf Null gesenkt. Da es geliehenes Geld von den Banken fast umsonst gab, begannen die US-Verbraucher zunehmend, auf Kredit einzukaufen ... Länder wie China finanzieren über den Kauf von milliardenschweren US-Staatsanleihen den Konsum in den USA zum großen Teil mit, nicht aus Großzügigkeit sondern aus dem durchaus eigennützigen Interesse, ihr Exportgeschäft am Laufen zu halten .
Die Schwellenländer scheinen aus den Ereignissen um die Jahrhundertwende gelernt zu haben ... Die Asienkrise, die ab 1997von Thailand über Russland bis nach Südamerika gezogen war, hat ihnen anschaulich und schmerzhaft vor Augen geführt, wie verwundbar ihre Länder werden können, wenn sie über ihre Verhältnisse leben und wie sehr sich die Länder den Kräften und Zwängen der globalen Finanzwelt ausliefern können, wenn sie anstelle von ausreichenden finanziellen Polstern für Notzeiten Schulden in schlechten Zeiten haben. Viel zu schnell waren die Währungsreserven ihrer Zentralbanken verbraucht, als die Kapitalflucht einsetzte und die Investoren und Banken aus den reichen Industriestaaten über Nacht ihre kurzfristigen Kredite zurückforderten. Jetzt kaufen die Schwellenländer US-Staatsanleihen und Währungsreserven, um sich selbst zu schützen vor einer Wiederholung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise Ende der 90er Jahre. Auch sie könnten eines guten Tages ihre Kredite zurückfordern, wenn ihre amerikanischen Schuldner in Zukunft jedes Augenmaß für eine gesunde Entwicklung verlieren sollten. Seit etwa fünf Jahren hat sich still und heimlich ein Rollentausch vollzogen.
Die ökonomischen und politischen Machtzentren in der Welt sind dabei, sich zu verschieben. Bricht die Güternachfrage in den USA ein, dann allerdings kann es brenzlig werden für die Güterproduzenten. Dann droht die Gefahr der weltweiten Überproduktion. Zunächst wird auf Halde produziert und später die Produktion gedrosselt mit entsprechender Massenarbeitslosigkeit und gesellschaftlichem Elend in den verschiedensten Formen.
Genau diese Gefahr für ihre Wirtschaft und für die Weltwirtschaft haben die Chinesen erkannt und im März 2006 in ihrem neuen „Fünf-Jahresplan“ die Weichen gestellt für eine rechtzeitige Umleitung der eventuell in Zukunft in den USA nicht mehr absetzbaren Waren in den eigenen Binnenmarkt ... Für die Umstrukturierung ihrer Wirtschaft in Richtung eigenem Binnenmarkt haben sich die Chinesen zunächst einen Zeitrahmen von fünf Jahren gesetzt. Bis dahin werden sie mit ihren Währungsreserven ein Instrument in Händen halten, das sie vermutlich nutzen werden, um einen Absturz des Dollars und einen massiven Einbruch des Konsums in den USA möglichst lange zu verhindern.
Was China zurzeit am dringendsten braucht, ist Stabilität in der Weltwirtschaft und im weltweiten Finanzsystem, um genügend Zeit für die Neuorientierung seiner Volkswirtschaft zu gewinnen. Die Kunst wird darin bestehen, dafür zu sorgen, dass der neue Weg behutsam und bedächtig gegangen wir ... Währungsreserven stellen ein Machtpotential da, sowohl in wirtschaftlicher als auch finanzpolitischer Hinsicht, denn Geld ist bekanntlich Macht, wenn es zu diesem Zweck genutzt wird. Vor allem China verleihen die riesigen Währungsreserven die nötige Macht, um auf die globale Währungs- und Finanzpolitik Einfluss zu nehmen und im günstigsten Fall stabilisierend zu wirken. Das werden sie aber nur solange tun, wie es für sie von Nutzen ist.
Wirtschaftswachstum braucht Stabilität. Unruhe an den Finanz- und Kapitalmärkten ist kontraproduktiv und nützt nur den Spekulanten, die in Währungsturbulenzen wie die Fische im Wasser schwimmen und sie zu ihrem Geschäft machen. Die Ostasiatischen Länder haben ihre traurigen Erfahrungen gemacht mit mächtigen ausländischen Investoren, die großzügig kurzfristige Kredite vergaben, dabei aber nur schnellen Profit im Auge hatten. Solange es Gewinne gab, blieben sie im Land. Gerade dann aber, wenn in schwieriger wirtschaftlicher Situation Kapital gebraucht wurde, waren sie genau so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren. Die Erfahrung ist, dass nicht „kurzfristiges Geld“, sondern dass vor allem langfristig investiertes, auch ausländisches Kapital in Fabriken und Produktionsstätten nützlicher ist für ein gesundes Wachstum der Wirtschaft. Diese Direktinvestitionen sind weniger gefährlich für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie sind gebunden und weit weniger flüchtig ...
Vor über 30 Jahren war das bis dahin stabile Weltfinanzsystem aus den Fugen geraten, nachdem US-Präsident Richard Nixon Anfang der 70er Jahre das „Bretton-Wood-System“ von 1945 aufgekündigt hatte. Die Währungen begannen zu „floaten“, wurden den freien Marktkräften ausgeliefert und zum Spielball von Währungsspekulanten gemacht, wie zuletzt während der Asienkrise 1997. Seitdem hat sich das System wieder stabilisiert, allerdings um den Preis von wirtschaftlichen Ungleichgewichten, die weltweit vor allem zwischen den USA und den Schwellenländern, aber auch in den Ländern selbst entstanden sind ...
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es in Zukunft zu einer Abwertung des Dollars kommen. Die Frage ist nicht mehr, ob der Dollar an Wert verliert, sondern wann der Bedeutungsverlust des Dollars als globale Leitwährung eintritt. Die Frage ist, ob diese Korrektur sanft und schonungsvoll für die Völker der Welt vonstatten geht und ob Schadensbegrenzung möglich ist, die verhindert, dass die Weltwirtschaft in dem Strudel des Dollarverfalls mit gerissen wird ...
Der chinesische „Währungskorb“ und „Bretton-Woods II“ stabilisieren vor allem den asiatischen Währungsraum und ermöglichen es, Einfluss auf das internationale Finanzsystem zu nehmen. Schwellenländer wie China haben zumindest in naher Zukunft ein ökonomisches Interesse daran, dass ihre reale Werte und Reichtum produzierenden "Wachstumsmaschinen", die seit Jahren auf Hochtouren laufen, so weiter laufen, wie bisher ... China kann sein Sparkapital, das seit Jahren zunehmend in Währungsreserven und amerikanischen Staatsanleihen geparkt ist, behutsam abschöpfen und noch mehr als bisher für eine nachhaltige Entwicklung der nationalen chinesischen Volkswirtschaft nutzen. China kann sich entscheiden, nicht mehr vorwiegend für den Export vor allem in die USA zu produzieren, sondern kann stattdessen das Lebensniveau der eigenen Bevölkerung anheben, indem es vermehrt die Binnennachfrage im eigenen Land bedient ...
Die Weichen in eine neue Richtung haben die Chinesen im März 2006in ihrem „Fünf-Jahres-Plan“ bis 2010 gestellt. Beschlossen wurde darin, dass das wirtschaftliche Wachstum und die industrielle Produktion in Zukunft vorwiegend den 7oo Millionen Bauern helfen sollen und nicht umgekehrt wie bisher. Das Gefälle von Stadt und Land soll verkleinert und die Unterschiede von Arm und Reich sollen verringert werden. Die Umwelt soll geschont werden und mit den Ressourcen des Landes will man behutsamer umgehen. Eine weniger exportgetriebene und dafür mehr binnenmarktorientierte Produktion leitet die bisher in den Export gegangenen Güter mittelfristig zum Teil um in die nationalen Binnenmärkte. Das verbraucht überschüssiges Sparkapital und übergroße Währungsreserven und setzt sie ein zum Wohle der breiten Masse der Menschen in den ärmeren Ländern ... Das erfreulichste Ergebnis einer solchen Politik einer vermehrten „Hinwendung zum eigenen Binnenmarkt“ wäre die Verminderung der Armut weltweit – ein wichtiges Millenium-ziel der Vereinten Nationen, das über eine Erhöhung der Entwicklungshilfe allein nicht erreicht werden kann. Es scheint, als gebe es erfreulicherweise keine andere Alternative zu diesem Vorgehen. Trotz intensiver Suche wurden bisher keine mehr Erfolg versprechenden alternativen Ansätze vorgeschlagen, um die so genannten „globalen“ Ungleichgewichte abzubauen ...Selbst die private amerikanische Zentralbank FED mit ihrem neuen Vorsitzenden B. Bernanke und die US-Regierung fordern neben der EU und großen Teilen des IWF und der Weltbank, neuerdings China und andere Schwellenländer immer mehr dazu auf, diese neue eher nationale Politik der „Stärkung der Binnennachfrage“ zu betreiben ...
Überall dort, wo das Vertrauen in die ökonomische Stärke der USA und in die Ideologie des neo-liberalisierten Weltmarktes schwindet, scheint China mit neuen Ideen einer staatlich regulierten und "gezähmten Globalisierung" das entstehende Vakuum auszufüllen ... In der „G20“, dem Forum der Schwellen- und Entwicklungsländer, bietet China sein Modell eines globalen Weltmarktes erfolgreich an ...
Chinas Hauptargumente sind eine nun schon 20 Jahre anhaltende Wachstumsgeschichte mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 10 Prozent, eine chinesische Industrie, die auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig ist, immer mehr Marktanteile erringt und Wohlstand schafft und dem Entstehen einer fast 300 Millionen Menschen umfassenden Mittelschicht vor allem in den Städten und an der Ostküste Chinas, deren Lebensniveau fast schon an das der Industrieländer heranreicht.
Millionenfache Armut wurde in China im Laufe der letzten 25 Jahre erfolgreich verringert ... Die Schwellenländer errichten eine neue Form von globaler Arbeitsteilung mit China als Werksbank, Indien als Hightech-Schmiede, Russland als Energie- und Brasilien als Rohstofflieferant, um es anhand eines grob vereinfachten Bildes dieser sogenannten „BRIC“-Länder deutlich zu machen. Die Märkte sind riesig, Produktivkräfte und Technologien stehen zur Verfügung und es ist zu erwarten, dass das weltweite Wachstum anhalten wird, auch wenn sich der Binnenmarkt in den USA abkühlen sollte.
Der Hunger der Schwellenländer China und Indien mit einer Bevölkerung von über 2 Mrd. Menschen nach Energie und Rohstoffen wird anhalten und die Energie- und Rohstoffpreise angemessen hoch halten.
Die rohstoffreichen Entwicklungsländer z.B. in Südamerika und Afrika bekommen die Chance, am globalen Wirtschaftswachstum teilzuhaben, ebenso wie die energiereichen Länder im Nahen Ostenoder in Zentralasien, wenn ein fairer Handel undgerechte Wirtschaftsbeziehungen zustande kommen...
In den vorhandenen Institutionen, wie der UNO, der WTO, dem IWF oder der Weltbank, wird sich die Möglichkeit bieten, diese Entwicklung gemeinsam zu gestalten, wenn sich die Kräfteverhältnisse innerhalb dieser Institutionen weiter wie bisher verschieben und deren Strukturen weiter demokratisiert und vom Ballast des Neoliberalismus befreit werden.“