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Rückblick nach der Krise
Ein Jahr im Zeichen des perfekten Konjunktur-V
Financial Times Deutschland
23. Dez. 2010
Von Martin Kaelble
„Das Jahr eins nach der historischen Krise lässt sich mit einem einzigen Buchstaben beschreiben: einem V. Egal ob es sich um Stimmungsindikatoren, Exporte oder Industriedaten handelte, die Diagramme kannten vielerorts nur eine Richtung - nach oben. Und so steht am Jahresende fest:
Das Schlimmste ist ausgeblieben, ein Déjà-vu der 30er Jahre vorerst vom Tisch. Statt einer zähen Dauerkrise folgte dem tiefen Einbruch eine beispiellose Aufholjagd in weiten Teilen der Welt.
So wurde 2010 zum Jahr der Entwarnung - ein zwölf Monate währender Beweis, dass die Lehman-Pleite in erster Linie ein Vertrauensschock war, von dem sich die Weltwirtschaft schneller erholte als so mancher dachte.
Rund um den Globus legte die Wirtschaftsleistung in den meisten Ländern nach dem schweren Einbruch 2009 wieder zu.
Ein Schock mit bleibenden Folgen allerdings - in Form von Staatsfinanzen, die durch enorme Krisenkosten aus dem Ruder gelaufen sind. Sie sorgten auch 2010 für dramatische Momente am Rand des Abgrunds…
US-Finanzminister Timothy Geithner scheiterte beim G20-Treffen in Korea mit seinem Vorschlag, Unter- und Obergrenzen für Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse festzulegen.
Doch das Thema globale Ungleichgewichte dürfte als eines der großen ungelösten Probleme das Jahr 2010 überdauern…
Die größte Volkswirtschaft der Welt verharrte 2010 in einem Teufelskreis. Die Krise am Häusermarkt in den USA ist immer noch nicht ausgestanden, was nicht nur Konsumenten, sondern auch Regionalbanken belastet. Sie sind für die Finanzierung des Mittelstands zentral, der wiederum entscheidend für die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ist. Ohne neue Jobs blieb die Stimmung der Verbraucher mäßig und die Erholung damit kraftlos - denn der Konsum steuert zwei Drittel zum US-BIP bei.
So löste ein anderes Land 2010 die USA als Lokomotive für die Weltwirtschaft endgültig ab. Chinas Wirtschaftsleistung legte voraussichtlich um über zehn Prozent zu - und zog mit seiner Nachfrage Exportnationen wie Deutschland mit sich…“
„Die Musik der Weltwirtschaft spielt künftig in Asien - heißt es seit Jahren. 2010 ist diese Zukunft ein großes Stück näher gerückt.
China lieferte nicht nur einen wichtigen Beitrag zur globalen Erholung. Die seit diesem Jahr zweitgrößte Wirtschaft der Welt gab vielmehr den Takt vor. Im Gleichlauf expandierten die eng mit China verknüpften Industrien im restlichen Asien. Ob Taiwan, Südkorea, Singapur oder Thailand - sie alle verbuchten kräftige Zuwächse nach dem deutlichen BIP-Einbruch im Jahr zuvor.“
Davon profitierte insbesondere die deutsche Wirtschaft. Deren Exportprodukte sind mit einem hohen Anteil an Investitionsgütern optimal zugeschnitten für die fernöstliche Nachfrage nach neuen Autos und Maschinen. Asiens Bedeutung für deutsche Exporteure ist dadurch 2010 sprunghaft gestiegen - Tendenz steigend: Schon im kommenden Jahr dürfte China zu Deutschlands zweitwichtigstem Absatzmarkt nach Frankreich aufrücken.“
Welthandel - Schwellenländer handeln schneller
„2009 lag das globale Handelsvolumen mehr als zwölf Prozent unter dem Vorjahr. Im Mai vergangenen Jahres war der Tiefpunkt erreicht - und eine fulminante Aufholjagd konnte beginnen. Die Welthandelsorganisation WTO rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg um 13,5 Prozent. Insgesamt fehlt nicht mehr viel, und die alten Höchststände im Handelsvolumen sind wieder erreicht. So glich am Ende des Jahres auch die Entwicklung des Welthandels seit Vorkrisenzeiten einem V. Dabei legte der Handel der Industrieländer deutlich langsamer zu, als der der Schwellen- und Entwicklungsländer.
Die Strukturen in den weltwirtschaftlichen Handelsströmen haben sich verschoben. Die Schwellenländer, vor allem in Asien, haben an Gewicht gewonnen.“
Rolf Becker, Martin Kaelble
Von China hängt unser Wohlstand ab
Financial Deutschland vom 30.12.11, Seite 30
Von Jim O’Neill
„Schafft China eine sanfte Landung?
Die Volksrepublik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Teil der Weltwirtschaft entwickelt. 2011 erwirtschaftete das Land nach bisherigen Prognosen rund 1000 Mrd. Dollar. Damit könnte man halb Italien neu schaffen.
Seit der globalen Kreditkrise 2008 hatte China jedes Jahr ein besonderes Schwerpunktthema:
- 2009 ging es darum, einen Kollaps und eine Rezession nach der Kreditkrise zu verhindern;
- 2010 stand die Kontrolle des Wachstums im Mittelpunkt; und
- 2011 drehte sich alles um Inflationsbekämpfung.
- 2012 gilt es für die zweitgrößte Volkswirtschaft, eine sanfte Landung hinzubekommen: Da die Exporte schwächer werden und die Staatsinvestitionen ebenfalls zurückgehen, muss der Konsum 2012 die Wirtschaft antreiben, wenn das Wachstum über acht Prozent liegen soll.
Der Rest der Welt verlässt sich zunehmend darauf, dass China kräftig importiert und so den Volkswirtschaften hilft, die immer noch unter den Nachwirkungen der Krise von 2008 leiden. Mit etwas Glück und konsequenten Entscheidungen kann China das schaffen… China muss seine Inflation wieder auf drei bis vier Prozent senken und gleichzeitig verhindern, dass die starken Preissteigerungen des vergangenen Jahres in einen Preisverfall umschlagen. Bei stabilen Preisen, vor allem für Lebensmittel, beschert die
- Politik der Lohnerhöhungen den Menschen auch real mehr Geld. In Kombination mit anderen gezielten Maßnahmen trägt dies dazu bei, dass der Konsum künftig für das Wirtschaftswachstum eine größere Rolle spielt.
Im Interesse der Chinesen – und in unserem eigenen Interesse – können wir nur hoffen, dass sie es schaffen.
Firmen müssen auf China hoffen | FTD.de
30.12.2011
Von Martin Kaelble
„So stark wie nie hängt das Schicksal der deutschen Wirtschaft 2012 an der Konjunktur in den Schwellenländern. Zwar bleibt der wichtigste Faktor die Euro-Krise. Doch neben deren Lösung wird entscheidend sein, ob die wachsenden Märkte in Asien oder Südamerika den Nachfrageausfall in Europa kompensieren können… Deutschlands Exporteure sind im Vergleich zu europäischen Konkurrenten besonders stark in Schwellenländern engagiert. 2012 dürfte China laut Ifo-Institut erstmals zum zweitwichtigsten Markt aufsteigen. Vor allem bei vielen größeren Industriefirmen liegt der Absatzanteil in den aufstrebenden Staaten bei mehr als 50 Prozent. Rund 60 Prozent der deutschen Exporte gehen zwar ins europäische Ausland. Doch etwa in Frankreich oder Italien wird 2012 gespart, viel Nachfrage können deutsche Exporteure nicht erwarten. Auch die US-Wirtschaft dürfte im Wahljahr allenfalls moderat wachsen, weil die politische Blockade in Washington größere Konjunkturprogramme verhindert. In Japan wiederum machen sich wegen des starken Yen Sorgen um die Erholung breit. Es bleiben Länder wie China…
- Ausblick 2012 Diese Trends bewegen die Wirtschaft
- Aktienmarkt Investoren zweifeln an China-Story
- Konjunktursorgen Schwellenländer stemmen sich gegen Sog der Krise
- Konjunktur Chinas Wirtschaft vor sanfter Landung
Zehn Gründe, warum Cyber warrior on attack.
China anders ist by Stephen S. Roach - Project ...
Have a look what happens:„ She Scheinen in Wellen zu Kommen - so etwa Alle Paar Jahre.etwa Alle Paar Jahre. Trotzdem Hut China Jahr für Jahr sterben Höhle Neinsagern Stirn geboten, geblieben ist… Und stirbt dürfte Sich arbeitsstelle… China der gefürchteten "falle des Mittleren Einkommens" zum Opfer gefallen könnte, sterben Manch Ein Entwicklungsland aus der Spur geworfen Hut… Aber sterben Meisten von ihnen resultieren aus unangebrachten Verallgemeiner ungen. Hier Sind Zehn Gründe, Warum Wir Höhle Zustand der Chinesischen Wirtschaft Auf der Grundlage Nicht von erfahrungen Anderer Länder Beurteilen Konnen: “
Zehn Gründe, warum Cyber warrior on attack.
China anders ist by Stephen S. Roach - Project ...
Chinas Wirtschaftswachstum - Globalisierung zähmen
Zehn Gründe, warum China anders ist by Stephen S. Roach - Project ...
27 May 2011
Von Stephen S. Roach
„ Die China-Zweifler sind zurück. Sie scheinen in Wellen zu kommen – so etwa alle paar Jahre. Trotzdem hat China Jahr für Jahr den Neinsagern die Stirn geboten, ist auf Kurs geblieben und bleibt weiterhin das beeindruckendste Entwicklungswunder der modernen Zeit. Und dies dürfte sich fortsetzen.
Gefahr China - Globalisierung zähmen
Hier sind zehn Gründe, warum wir den Zustand der chinesischen Wirtschaft nicht auf der Grundlage von Erfahrungen anderer Länder beurteilen können:
- Strategie. Der kürzlich beschlossene zwölfte Fünfjahresplan könnte einen Übergang vom hochgradig erfolgreichen Produktionsmodell der letzten dreißig Jahre hin zu einer blühenden Konsumwirtschaft einleiten, und damit einen strategischen Wendepunkt darstellen.
- Disziplin. Nach vielen Turbulenzen, insbesondere während der Kulturrevolution der 70er Jahre, steht für Chinas Führung Stabilität an erster Stelle. Diese Disziplin half China während der Krise von 2008-2009 sehr dabei, schädliche Auswirkungen zu vermeiden. Auch im Kampf gegen Inflation, Spekulationsblasen und sinkende Kreditqualität ist sie hilfreich.
- Durchsetzungskraft. Chinas Ausrichtung auf Stabilität besteht nicht nur aus leeren Worten. Die Reformen der letzten 30 Jahre haben die Wirtschaftskraft des Landes zum Leben erweckt. Unternehmen und Finanzmärkte wurden optimiert, und weitere Reformen sind unterwegs. Außerdem hat China aus vergangenen Krisen gut gelernt und ist in der Lage, bei Bedarf seinen Kurs zu wechseln.
- Rücklagen. China profitiert von einer inländischen Sparquote von über 50%. Diese lieferte die Investitionsgrundlage für die wirtschaftliche Entwicklung und vergrößerte die Fremdwährungsreserven als Schutz vor externen Schocks. China hat nun die Möglichkeit, etwas von diesem Überschuss einzubehalten, um einen Übergang zu interner Nachfrage zu fördern.
- Migration vom Land in die Städte. In den letzten dreißig Jahren stieg in der chinesischen Bevölkerung der Anteil der Stadtbewohner von 20% auf 46%. OECD-Schätzungen zufolge könnten in den nächsten zwanzig Jahren weitere 316 Millionen Menschen vom Land in die Städte ziehen. Diese nie dagewesene Welle von Urbanisierung bietet eine solide Grundlage für Investitionen in Infrastruktur und Wohnungsbau. Ängste vor übermäßigen Investitionen und “Geisterstädten” richten sich auf die Angebotsseite, ohne die steigende Nachfrage angemessen zu berücksichtigen.
- Entwicklungspotenzial – Konsum. Der private Konsum hat am chinesischen BIP lediglich einen Anteil von 37% – der geringste Wert aller großen Volkswirtschaften. Durch den Schwerpunkt auf Schaffung von Arbeitsplätzen, Lohnerhöhungen und soziale Sicherung könnte der zwölfte Fünfjahresplan eine bedeutende Steigerung der Konsumentenkaufkraft auslösen…
- Entwicklungspotenzial – Dienstleistungen. Nur 43% des chinesischen BIP wird durch Dienstleistungen erbracht – was deutlich unter dem globalen Durchschnitt liegt. Dienstleistungen sind ein wichtiger Bestandteil von Chinas Konsumförderungsstrategien… In den nächsten fünf Jahren könnte der Anteil der Dienstleistungen am chinesischen BIP stärker steigen als die momentan geplanten vier Prozentpunkte. Dies ist ein arbeitsintensives, ressourceneffizientes und umweltfreundliches Wachstumsrezept – genau das, was China für die nächste Phase seiner Entwicklung braucht.
- Ausländische Direktinvestitionen. Das moderne China war lange Zeit ein Magnet für globale multinationale Konzerne auf der Suche nach Effizienz und einem Einstieg in den bevölkerungsreichsten Markt der Welt. Durch solche Investitionen erhält China Zugang zu modernen Technologien und Managementsystemen – Katalysatoren für wirtschaftliche Entwicklung…
- Ausbildung. China hat enorme Anstrengungen zur Bildung von Humankapital unternommen. Die Alphabetisierungsrate von Erwachsenen liegt heute bei fast 95%, und die Einschreibungsquote für höhere Schulen stieg auf 80%... Auf chinesischen Universitäten machen heute jährlich über 1,5 Millionen Ingenieure und Wissenschaftler einen Abschluss.
Das Land ist auf dem besten Weg hin zu einer wissensbasierten Volkswirtschaft.
- Innovation. Im Jahr 2009 wurden in China etwa 280.000 inländische Patente angemeldet. Damit befindet sich das Land hinter Japan und den USA weltweit an dritter Stelle… Gleichzeitig strebt China bis 2015 einen Anteil von Forschung und Entwicklung am BIP von 2,2% an – doppelt soviel wie 2002. Dies entspricht dem neuen Schwerpunkt des zwölften Fünfjahresplans auf “aufstrebende strategische Industrien” – Energieeinsparung, Informationstechnologie der neuen Generation, Biotechnologie, Produktion hochwertiger Güter, erneuerbare Energien, neuartige Materialien und Autos mit alternativen Kraftstoffen. Diese sieben Industriezweige haben momentan einen Anteil von 3% am chinesischen BIP. Die Regierung strebt bis 2020 eine Erhöhung auf 15% an, was einen bedeutenden Aufstieg in der Wertschöpfungskette darstellen würde.
Der Yale-Historiker Jonathan Spence warnt seit langem davor, dass der Westen China unter denselben Voraussetzungen beurteilt wie sich selbst. Die Masse der Chinazweifler heute ist dafür typisch. Ja, gemessen an unseren Standards sind die Ungleichgewichte Chinas instabil und nicht nachhaltig. Tatsächlich ging der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao mit einer ähnlichen Kritik an die Öffentlichkeit. Aber dies ist der Punkt, warum China so anders ist.
Das Land nimmt diese Bedenken tatsächlich ernst. Im Gegensatz zum Westen, wo von Strategie überhaupt keine Rede mehr sein kann, gestaltet China den Übergang anhand eines Systems, um seine Nachhaltigkeitshindernisse zu lösen. Im Gegensatz zum Westen, der in einer dysfunktionalen politischen Patsche sitzt, verfügt China sowohl über die Disziplin als auch über die Mittel, seine Strategie erfolgreich durchzuführen. Dies ist nicht die Zeit dafür, gegen China zu wetten.
Copyright: Project Syndicate, 2011.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Harald Eckhoff
Chinesischer Retter statt gelbe Gefahr
FTD
15. Apr. 2011
Von Thomas Fricke
„ Über Jahrzehnte galt Chinas Konkurrenz für Europäer wie Amerikaner als Schrecken und Reformdruckmittel. Doch nun naht eine spektakuläre Zeitenwende.
Und gewinnen könnte Europa.
Kaum ein Phänomen hat die Wirtschaftspolitik der westlichen Welt in den vergangenen 30 Jahren so geprägt wie Chinas gefühlter und tatsächlicher Siegeszug. Asiens Billigkonkurrenz ist für den Niedergang alter europäischer Stahlhersteller verantwortlich wie für das Verschwinden etlicher Textilbetriebe. Jahrelang musste die "gelbe Gefahr" als Schreckgespenst herhalten, um Belegschaften zu Lohnverzicht zu bringen, Sozialausgaben zu kürzen und eine Agenda 2010 zu preisen… Das ist nun vorbei. Was sich seit einiger Zeit andeutet, hat nach Ausbruch der Finanzkrise eine spektakulär neue Dimension erreicht. Der China-Absatz westlicher Firmen hat sich in kurzer Zeit derart beschleunigt, dass sich die Vorzeichen, bei gleichzeitig schwindenden asiatischen Kostenvorteilen, umkehren.
Eine ganz neue Phase der Globalisierung
Plötzlich ist das riesige China ein ganz neuer Wachstumsfaktor - aber für das Ausland. Und das leitet nach 30 Jahren Angst eine ganz neue Phase der Globalisierung ein - in der die am meisten profitieren, die unter der Billigkonkurrenz am meisten litten: etwa Europas aktuelle Krisenländer. Deutschlands Verkaufszahlen nach China steigen zwar seit Jahren, nur seit Anfang 2009 haben sie sich um noch mal rund 75 Prozent erhöht. Atemberaubend. Und das ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Einen ähnlichen Schub erleben Frankreichs Exporteure. Nimmt man die beiden asiatischen Märkte zusammen, kaufen Chinesen und Inder weltweit mittlerweile 60 bis 70 Prozent mehr ein als die reichen Deutschen. Anfang 2009 waren es gerade 20 Prozent mehr…
Enormes Konjunkturprogramm stützt Binnennachfrage und Import.
Ein Teil des China-Booms dürfte sich dadurch erklären, dass die Pekinger Regierung in der Finanzkrise auf ein enormes Konjunkturprogramm setzte, mit dem die Binnennachfrage - und damit auch der Import - gestützt wurde. Der Exportüberschuss ist stark geschrumpft. Dahinter steckt aber ein tieferer Trend, schreibt Véronique Riches-Flores, Ökonomin bei der Société Générale (SG), in ihrer eindrucksvollen Studie "The New Chinese Landscape": der Wandel Chinas von der Export- zur Konsummaschine - und zwar dank steigender Einkommen und politischer Zielsetzung. Noch vor zehn Jahren sei Chinas Automarkt kleiner gewesen als der französische. Heute sei er neunmal so groß. Vergangenes Jahr dürften die Chinesen erstmals genauso viel zum globalen Konsumanstieg beigetragen haben wie die US-Amerikaner. Dabei sind die Pro-Kopf-Ausgaben der Asiaten immer noch bescheiden, schreibt Riches-Flores…
Chinas Wettbewerbsvorteil schrumpft.
Nun muss das noch nicht heißen, dass ausländische Anbieter davon profitieren. Nur spricht auch hier einiges für einen Wandel. Denn Chinas Firmen konzentrieren sich schon jetzt zunehmend auf die Binnenwirtschaft, wie es die deutschen im Einheitsboom taten. Zudem schrumpft Chinas Wettbewerbsvorteil - weil mit dem Wachstum auch die eigenen Ansprüche (und Kosten) wachsen. Das Preisniveau in den Schwellen- und Entwicklungsländern hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt - während es in der Euro-Zone nur um 23 Prozent stieg. Und: Chinas (Billig-)Preissetzungsmacht scheint zu schwinden. Seit 2005 konnten EU-Firmen ihre Exportpreise in China um fast 40 Prozent anheben, doppelt so stark wie in anderen Ausfuhrmärkten…
Europas Firmen profitieren.
Demnach profitieren Europas Firmen schon jetzt davon: Die Ergebnisse fallen besser aus als anderswo. Weil sie gerade da ziemlich gut aufgestellt sind, wo sich Chinas Wandel am meisten bemerkbar macht. Trotz aller Billigkonkurrenz kommt immer noch gut ein Drittel aller Maschinen weltweit aus dem Euro-Raum. Bei Autos sind es mehr als 40, bei Chemieprodukten sogar 50 Prozent. Und selbst bei Textilien liegt der Euro-Anteil noch bei einem Viertel. Darauf lässt sich aufbauen. Und das liegt nicht nur an Deutschland. Spaniens Export nach China ist von 2001 bis 2009 um jährlich 23 Prozent gewachsen, etwas stärker als der deutsche. Die Franzosen kommen auf 19, die Italiener noch auf 15 Prozent.
Chinas neuer Konsum passt gut dazu, was Europäer anbieten
Und es spricht viel dafür, dass Chinas neuer Konsum gut dazu passt, was Europäer anbieten - jenseits deutscher Maschinen, die vom bisherigen Investitionsboom am meisten profitierten. Jetzt geht es um Chinas boomende Mittelschicht: um solide Haushaltsgeräte, höherwertige Autos, Markenbekleidung, Wein oder Pharmazeutika. Das freut Italiener, Franzosen und Spanier - die bislang unter der chinesischen Billigkonkurrenz am meisten litten, während die Deutschen mit ihrer Qualitätsspezialisierung schon immer geschützt waren. Schon jetzt steht Frankreich für 60 Prozent aller Wein- und Spirituosenimporte der Chinesen.
Nachfrage in China bei erholter europäischer Wettbewerbsfähigkeit.
Eine gut zugeschnittene und beschleunigte Nachfrage in China - bei zugleich erholter europäischer Wettbewerbsfähigkeit. Das werde die globalen Spielregeln komplett ändern, findet Riches-Flores. Bis 2020 könnte sich Chinas Anteil am deutschen Export auf 15 Prozent verdreifachen. Ähnliche Zuwächse sind für andere Euro-Länder zu erwarten. Gut möglich ist, dass Chinas Wandel das strukturell angelegte Wirtschaftswachstum im Euro-Raum bis 2020 um jährlich 0,25 bis 0,4 Prozentpunkte beschleunigt. Das schafft Millionen Jobs.
Es war aus deutscher Sicht schon immer reichlich absurd, Chinas Wirtschaft zur Bedrohung hochzustilisieren. Jetzt könnte Chinas neues Wachstumsmodell sogar im Krisenfall helfen.“
Ein Buch, das komplett online zur Verfügung steht.
-
„Es scheint, als verringere das „globale Wirtschaftswachstum“ in Zukunft immer mehr die Armut in der Welt und besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern,
- während es gleichzeitig den Lebensstandard in den reichen Ländern drückt.
- Eine globale "new economy" ist im Entstehen…
- Während die Finanzgeschäfte von Investmentbanking , Versicherungen, Finanzinvestoren,"hedge-fonds" und von "private-equity" blühen und die globalen Konzerne glänzende Gewinne machen,
- sind die Bürger in den reichen Industrieländern die Geschädigten, die Immobilien-Schulden anhäufen, Kaufkraft, Kreditwürdigkeit, soziale Sicherheit und Arbeitsplätze verlieren.
- Das Mindeste sind Mindeststandards und Mindestlöhne . Ein sozialer Ausgleich als Entschädigung für den Verlust von Lebensqualität im Gefolge von neoliberaler Globalisierung wird immer dringender.
- Die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländer dagegen gewinnen Millionen Arbeitsplätze, zunehmende Kaufkraft, soziale Sicherheit, technolog-isches Wissen und häufen immer mehr Reichtum und Währungsreserven an im Zuge einer
- globalen "new economy" , die sich am Wachstum der Volkswirtschaften orientiert und nicht zuallererst am Profit des Einzelnen.
- Die wirtschaftlichen und politischen Kraftlinien in der Welt sind dabei, sich zu verschieben,
- ebenso wie die Wertvorstellungen über ökonomisches Handeln."
8. Juni 2011
Von Christoph Hein
„Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono bezeichnete bei der Jahrestagung der südostasiatischen Staaten am Wochenende die Inflatioals das brennende Problem der Region…
Asien stöhnt unter dem Preisdruck…
Vier asiatische Zentralbanken erhöhten vergangene Woche die Zinsen. Australien,China, Korea, Malaysia, die Philippinen, Taiwan und Thailandwerden bis zum Sommer weitere Zinsschritte machen. Sie hätten längst handeln müssen.
Der Preis einiger Grundnahrungsmittel hat sich in Jahresfrist verdoppelt.
Drei Kräfte wirken auf die Preise:
- Naturkatastrophen und eine schlechte Infrastruktur verknappen das Angebot.
- Die veränderte Lebensweise einer wachsenden Mittelschicht führt zu steigender Nachfrage.
- Und der hohe Ölpreis treibt - trotz der jüngsten Korrektur - die Logistikkosten.
Die Asiatische Entwicklungsbank warnte gerade, dass im Falle weiter steigender Preise wieder 200 Millionen Asiaten unter die Armutsgrenze von 1,25 Dollar täglich gleiten könnten, die sie schon überwunden glaubten.
Das Risiko ist deshalb so hoch, weil
- die Armen bis zu 60 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen…
- Im Zeitalter des Internet hilft derweil keine Zensur mehr, die Kunde vom Aufbegehren in Ägypten oder Tunesien von den Asiaten fernzuhalten.
Der Weg, den die asiatischen Notenbanken nun eingeschlagen haben, ist aber steinig. Viele von ihnen stehen unter Kontrolle der Regierungen und können nicht unabhängig handeln.
- Zudem locken höhere Zinsen weiteres Kapital an. Gefährlicher sind die heißen Gelder, die Spekulanten in die Länder Asiens pumpen. Ein weiter steigender Außenwert asiatischer Währungen könnte die Spekulation doppelt belohnen.
- Die wachsende Liquidität aber treibt die Preisspirale weiter an, etwa über den Immobilienmarkt. So ist das hässliche Wort der
- Kapitalverkehrskontrollen wieder hoffähig geworden. Etliche Länder Asiens haben unterschiedliche Einschränkungen des freien Kapitalverkehrs schon vorgenommen. Weitere dürften folgen…
- asien-unter-inflationsdruck
31. Mai 2011
von Martin Kaelble und Mathias Ohanian
Die Ära chinesischer Billigproduktion für alle Welt neigt sich dem Ende zu. Immer mehr Firmen in Fernost beklagen steigende Lohnkosten.
- Seit 1999 sind die Löhne in China um über 300 Prozent gestiegen.
Mit dem anhaltenden Preisschub verändern sich die Regeln der Globalisierung.
- Knapp drei Jahrzehnte lang hatte die billige Produktion in Asien die Preise für Konsumgüter und Arbeit weltweit gedämpft. Der Lohndruck in China droht nun auch in den westlichen Ländern den Preisanstieg zu beschleunigen.
"Weltweit wurde die Inflation in den vergangenen Jahren durch Billig-produktion in den Schwellenländern, namentlich China, gedämpft", sagte Bert Rürup, Vorstand der Beratungsfirma Maschmeyer Rürup, der FTD.
Jetzt verliere die Globalisierung zumindest einen Teil ihrer preisdämpfenden Wirkung, sagte der frühere Sachverständige der Bundesregierung…
- Die Lohnerhöhungen sind von Peking politisch gewollt.
- In ihrem letzten Fünfjahresplan hatte die Regierung das Ziel ausgegeben, dass sich Chinas Wirtschaft von den Billigexporten wegentwickeln soll - hin zu einem stärkeren Binnenkonsum.
- Dafür müssen die Löhne steigen.
- Hinzu kommen demografische Probleme des Landes. Weil die Bevölkerung vergreist, droht der Pool an jungen Arbeitskräften zu versiegen. Diese Verknappung treibt ebenfalls die Löhne.
- Für westliche Unternehmen kann der Trend auch Wettbewerbsvorteile mit sich bringen. Zwar liegen die Lohnkosten in Schwellenländern wie China immer noch deutlich niedriger als in den Industriestaaten.
Doch Ökonomen sehen die Kostenvorteile von Schwellenländern schwinden.
- Zudem wandelt sich China vom Export- zum Konsumland. Nach einer Prognose der französischen Bank Société Générale wird sich die städtische Mittelschicht bis 2015 im Vergleich zu 2008 verdoppeln.
- Bis 2020 könnte China der größte Exportmarkt für die Euro-Länder geworden sein .
Vor allem die südeuropäischen Länder am Rand der Euro-Zone könnten nach Einschätzung von Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt der WestLB, von einem derartigen chinesischen Aufschwung profitieren. Voraussetzung sei aber, dass es diesen Staaten in den kommenden Jahren gelinge, ihre Reformen durchzuboxen und zusätzlich Auslandsinvestitionen anzulocken. Chinas neue Mittelschicht könnte diesem Szenario zufolge künftig verstärkt Güter kaufen, die von den südlichen Euro-Ländern produziert werden. Bereits zwischen 2001 und 2009 hatten die Kleidungsexporte Spaniens nach China mit jährlich weit überdurchschnittlichen 50 Prozent zugelegt. Auch die Ausfuhren von Nahrung, Tabak und Getränken der Euro-Peripherieländer in Richtung China wuchsen in diesem Zeitraum deutlich stärker als andere Exporte."
Was schert uns Amerika? | FTD.de
10. Juni 2011
Von Thomas Fricke „Klar, Amerika ist wichtig.
Nur hat die Finanzkrise den Trend zur globalen Gewichtsverlagerung dramatisch beschleunigt - weg von den Vereinigten Staaten. Schon weil in vielen Schwellenländern ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Krise ausblieb, erreichen die zwischenzeitlich geschrumpften USA seitdem einen deutlich kleineren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt.
- Ähnliches gilt in Sachen Importmarkt. Noch vor zehn Jahren kauften die Amerikaner fast 20 Prozent der weltweiten Importe. Mittlerweile sind es noch zwölf Prozent. Anno 2000 lag die amerikanische Quote fünfmal so hoch wie die chinesische. Heute trennen beide Länder gerade mal noch drei Prozentpünktchen… Alles in allem geben die Chinesen zwar nach wie vor nur ein Fünftel dessen aus, was die Amerikaner so ausgeben. Dafür wachsen ihre Ausgaben fünfmal so schnell. Ergebnis:
- 2010 trug China erstmals genauso viel zum weltweiten Anstieg des Konsums bei wie die Amerikaner. Vor zehn Jahren lag der US-Beitrag fünfmal so hoch.
- Noch eindrucksvoller ist der Trend bei den Investitionen, zu deren globalem Wachstum die Chinesen 2010 enorme sieben Prozentpunkte beitrugen und die US-Unternehmen nicht einmal einen.
- Bei den globalen Direktinvestitionen liegt China selbst im Niveau jetzt gleichauf, ebenfalls historisch: 2010 investierten ausländische Firmen im Reich der Mitte erstmals mehr als in den USA. Vor Kurzem undenkbar.
Wie eindrucksvoll all das den jahrzehntelang immensen Einfluss der US-Konjunktur auf den Rest der Welt relativiert, hat schon die jüngste Krise erahnen lassen. Während die USA in eine gewaltige Rezession glitten, wuchsen Chinesen, Inder und andere fast unbekümmert weiter, gestützt auch von großen Konjunkturpaketen.
Die deutsche Wirtschaft boomt seit zwei Jahren, obwohl hiesige Exporteure heute nicht mehr, sondern weniger in die USA verkaufen als 2005/06. Da kann der Aufschwung definitiv nicht herkommen. Nach China hat sich der deutsche Export allein seit 2007 dafür mehr als verdoppelt. Auch das gleicht einer Zeitenwende: Vor zehn Jahren verkauften die Deutschen fünfmal mehr in die USA als nach China. Jetzt ist China kurz davor, die USA als Absatzmarkt abzuhängen - und als ausländischer Konjunkturmotor.
Wahrscheinlich würde all das vor schwereren Folgen nicht schützen, wenn Amerika in eine tiefe Rezession glitte; dafür ist das Land noch zu gewichtig. Und natürlich hat die jüngste Krise auch gezeigt, wie schnell eine systemische Finanzkrise von New York auf Deutschland überspringen kann. Nur gibt es derzeit weder Rezessionssignale noch eine Blase wie vor 2008 am US-Immobilienmarkt; die Bauinvestitionen sind auf mickrige 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung gefallen, da kann nicht mehr viel einbrechen. Umso nachdrücklicher gilt die neue Regel:
Amerika ist im Weltmaßstab eben weit weniger wichtig als früher.“
Warum China gewinnt und Amerika verliert
von Freeman
- Während China seine Wirtschaft ausbaut und die Infrastruktur verbessert, gute Beziehungen weltweit mit Ländern durch Investitionen sucht, ist Amerika damit beschäftigt nur durch militärische Macht… das Imperium aufrecht zu erhalten.
- China verkündet die Eröffnung der Bahnstrecke mit dem schnellsten Zug der Welt und zeigt mit dem Wuhan-Guangzhou Hochgeschwindigkeits zug, dass es in Sachen Hochleistungsbahnen die Nase vorne hat…
- Obama verkündet, der Krieg gegen den Terror muss auf Jemen ausgeweitet werden, nach Irak, Afghanistan und Pakistan.. Es wird nochmehr Geld für Krieg und Sicherheit ausgegeben (das man nicht hat) und die Infrastruktur in den USA lässt man verlottern…
- China baut ein öffentliches hochmodernes Transportsystem, welches das ganze Land verbindet, die Häfen mit den Produktionsstandorten, die arbeitende Bevölkerung mit ihren Arbeitsplätzen.
- Washington ist nur mit der „islamischen Bedrohung“ und dem „Krieg gegen den Terror“ beschäftigt, der schon seit fast 10 Jahren andauert und Unsummen kostet. Mit der Invasion und Besetzung islamischer Länder sind fast 1 Billion Dollar ausgegeben worden, die der amerikanischen Bevölkerung überhaupt nichts bringt, während
- China sein ganzes Land modernisiert und die Bevölkerung sehr davon profitiert.
- Während das Weisse Haus und der Kongress… sich überall Feinde schafft, die Kriegskosten eine astronomische Verschuldung verursachen und die eigene Wirtschaft zerstören, ist
- das BIP von China ums Zehnfache in den letzten 26 Jahren gestiegen.
- Während die USA 1,4 Billionen Dollar den Wall Street Bankern und dem Militärindustrie geschenkt hat, die Staatsverschuldung und dasAussenhandelsdefizit sich ständig erhöht, die Arbeitslosigkeit bei tatsächlichen 20 Prozent liegt und die Bevölkerung unter einer Dauerrezession leidet, haben die
- Chinesen ein Konjunkturprogramm lanciert, welches den Produktions- und Bausektor ankurbelt, was zu einem Wachstum von 8 Prozent führte und die Beschäftigung erhöht.
- Während die USA seine Zeit, Ressourcen und Personal für die Kriegsführung einsetzt… baut
- China seine Wirtschaftsbeziehungen zu den anderen asiatischen Ländern, aber auch nach Südamerika und Afrika aus und verbessert diese…
- China hat Deutschland im Jahre 2009 als "Exportweltmeister" überholt…
- Während die USA über 60 Milliarden Dollar für interne Sicherheitausgebeen und die Grösse ihrer “Heimatschutzbehörden” ständig aufbläht… hat
- China 25 Milliarden Dollar in den Ausbau der Energieversorgung mit Russland investiert und gerade die 1'833 Kilometer lange Turkmenistan-China Gaspipeline eröffnet.
Wir sehen wie unterschiedlich die beiden Länder vorgehen.
- Die asiatischen Staaten, angeführt durch China, werden immer schneller zu bedeutenden Weltmächte, auf Grund ihrer massiven inländischen und ausländischen Investitionen in die Produktion, Transport, Technologie und Bodenschätze.
- Im Gegensatz dazu ist die USA eine Weltmacht auf dem absteigenden Ast, mit einer… zerstörten Industriebasis, die… nur auf eine Wirtschaft aufgebaut ist, welche sich auf die Waffenindustrie und denFinanzspekulationen der Wall Street konzentriert… Statt in zivile Technologien zu investieren, welche der eigenen Bevölkerung etwas bringen und an die Welt verkauft werden können, werden Unsummen in militärisches High-Tech reingebuttert…
- Während China seine Wirtschaftsstruktur ausbaut, das Inland entwickelt und die Ungleichheit im sozialen Bereich behebt, werden
- in den USA die Sozialprogramme aus Geldmangel zurückgefahren, der Unterschied zwischen Arm und Reich immer grösser und ausgerechnet der parasitäre Finanzsektor am Leben erhalten, der die Industrieland schaft mit Gewinnmaximierung ausgeschlachtet,zerstückelt und ins Ausland verscherbelt hat…
- Während die USA in über 130 Ländern Truppen stationiert, dieMilitärbasen im Nahen Osten, Zentralasien, am Horn von Afrika und Südamerika weiter ausbaut, stellt
- China den afrikanischen Ländern Kredite in Höhe von 25 Milliarden Dollar zur Verfügung, damit diese ihre Infrastruktur, Energie produktion, Abbau von Bodenschätzen und Produktionsstätten verbessern können…
- China hat seine Beziehungen mit den dynamisch wachsendenlateinamerikanischen Ländern gefestigt, welche 80 Prozent der Bevölkerung des Kontinents ausmachen…
- Ja sicher ist China kein Musterknabe was die Menschenrechte angeht, aber Amerika sicher auch nicht… Ja China ist eine kommunistische Parteidiktatur, aber die
- USA eine Demokratie noch zu nennen ist ein Hohn. Die US-Verfassung hat doch keine Gültigkeit mehr. Dort diktieren die Finanzoligarchie, die Konzerne und Wall Street was passiert…
- Jedenfalls bombardiert China nicht andere Länder und fällt über sie her, im Gegensatz zum amerikanischen Kapitalismus, der eine monströse Militärmaschinerie unterhält, welche das Land aussaugt, um ihre nie endenden Kriege durchführen zu können.
- China investiert in Länder die Ölvorkommen haben, die USA greift sie an. China hilft Infrastrukturen in den armen Ländern aufzubauen, die USA zerstört sie… China übt seine Macht durch Handel aus, die USA durch Drohungen und Kriege. China ist mit dynamisch wachsenden Ländern verbunden…
- China produziert die Konsumgüter der Welt, welche allen zu Gute kommen…
- Amerika steht vor einer internen Krise… ohne einen Lösungsansatz zu haben. Es hat keine Beschäftigungsmöglichkeit, weil alle Produktions stätten ins Ausland exportiert wurden. Nur sich gegenseitig Dienst leistungen mit McJobs anzubieten bringt nichts. Übrig geblieben ist eingigantischer Schuldenberg und Verpflichtungen, die nicht zurück zahlbar sind…
- Damit Amerika wieder ein normaler Staat für seine Bürger wird, muss es eine radikale Umkehr vollziehen.
- Die Kriege müssen sofort beendet und alle Militärbasen aufgegeben werden.
- Die Träume eines weltweiten Imperiums sind vorbei, weil nicht bezahlbarund von der Welt nicht mehr akzeptiert.
- Die Industrie muss von Grund auf neu aufgebaut werden, welche die eigenen Bevölkerung versorgen kann. Es müssen öffentliche Infrastrukturen geschaffen werden, welche das Land in die Zukunft bringen. Dieses Leben über seine Verhältnisse, nur von der Substanz, nur durch Schuldenmachen auf Kosten des Restes der Welt, muss beendet werden…
Nur, wer soll die Notwendigkeit einer Wende einsehen, auslösen und umsetzen?
- China hat jetzt schon gewonnen und Amerika verloren, denn sie müssten nur aufhören, die Schuldscheine der Amerikaner zu akzeptieren… DieUSA schulden den Chinesen 1 Billion Dollar, welche sie niemals zurückzahlen können… Die Chinesen haben Zeit, sie denken in anderen Dimensionen, hatten schon eine Hochkultur, da sind wir in Europa noch in Fellen rumgelaufen. Und denkt dran, jeder fünfte Mensch auf diesem Planeten ist ein Chinese…
Was auch noch passieren kann, ist was ich schon mal geschrieben habe:
Wir könnten einen richtig grossen Krieg wieder haben, wenn die USA verrückt spielt, wie ein Ertrinkender wild um sich schlägt…“
Chinas Devisenreserve erstmals über 3000 Mrd. Dollar
Schwellenländer handeln sich an die Weltspitze
derstandard.at
16. Juni 2010
Von Lukas Sustala
Verschiebung des Reichtums
„ Die Weltwirtschaft erlebt eine tektonische Plattenverschiebung, eine "Verschiebung des Reichtums" , so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In einer aktuellen Studie kommen OECD-Ökonomen zu dem Ergebnis, dass sich der Wohlstand weltweit stark in die Schwellenländer verlagern wird.
Während heute der Anteil der aufholenden Nationen noch 49 Prozent am globalen Wirtschaftsprodukt beträgt, wird ihr Anteil 2030 bereits bei 57 Prozent liegen, so das Ergebnis. "Die Finanzkrise hat einen bereits laufenden Prozess noch verstärkt" , sagen die Studienautoren. Denn während die USA und Europa laut aktuellen Prognosen der Economist Intelligence Unit für 2011 nur zwischen 0,9 und zwei Prozent wachsen dürften, dürften die Regionen der Schwellenländer zwischen Lateinamerika und Asien zwischen 4,1 und 4,4 Prozent wachsen. Dass die zweite und dritte Welt die Krise ohne nachhaltigen Wachstumseinbruch meistern konnte, hängt auch mit ihren neuen Handelsmustern zusammen.
Heute handeln Schwellenländer immer stärker untereinander.
2008 etwa haben Emerging Markets bereits Güter im Wert von 2900 Milliarden Dollar gehandelt, genauso viel, wie mit den Industrieländern. Heute werden 20 Prozent des Welthandels bereits zwischen Schwellenländern abgewickelt, 1990 waren es 7,8 Prozent. Die vertieften Handelsbeziehungen könnten auch für die Entwicklung in Afrika von entscheidender Bedeutung sein. Denn gerade Unternehmen und Staaten aus Asien haben in den ärmsten Kontinent investiert. Afrikas wichtigster Handelspartner ist China, das 2008 Güter um 50 Mrd. Dollar aus Afrika importiert hat. China war im Jahr 2009 zudem der größte Handelspartner von Brasilien, Indien und Südafrika.
Globale Armutsbekämpfung unterstützen.
Für die kommenden Jahre soll Afrika dank des wichtigeren Handels die am schnellsten wachsende Region weltweit sein. Die stärker hausgemachte Wirtschaftsdynamik in den Entwicklungsländern soll auch die globale Armutsbekämpfung unterstützen. In den 1990er-Jahren wurden 120 Millionen Menschen über die Armutsschwelle gehoben, in den 2000er- Jahren bereits 300 Millionen.“
Schwellenländer gründen Gegenmacht zum Dollar
Welt.de
14. Apr. 2011
Von Frank Stocker
„ Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sagen der Allmacht des Dollars den Kampf an: Sie handeln künftig in ihren eigenen Währungen…Inzwischen ist es so weit – die Schwerpunkte der globalen Wirtschaft haben sich dramatisch verschoben, die BRIC-Staaten haben sich zusammengeschlossen – und nun spielen sie ihre neue Macht auch erstmals gemeinsam aus...
Künftig wollen die fünf Länder sich in ihren Handelsbeziehungen untereinander vor allem der eigenen Währungen bedienen und sich auch gegenseitig Kredite geben. Den Dollar brauchen sie dann nicht mehr. Gleichzeitig forderten sie eine umfassende Reform des internationalen Devisensystems, verlangten ein breiter aufgestelltes und damit stabileres System der Reservewährungen.
Angst um ihre riesigen Devisenreserven
„Die gegenwärtige Ära verlangt eine Stärkung des Dialogs und der Kooperation unter den BRICS-Ländern“, sagte hinas Präsident Hu Jintao. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass das bisherige, vom Dollar dominierte System zu schwach sei… Dahinter verbirgt sich allerdings auch Furcht. Denn vor allem China, aber auch andere Staaten, haben Angst um ihre riesigen Devisenreserven, die sie meist in amerikanischen Staatsanleihen angelegt haben. Mit dem wachsenden Schuldenturm der USA vergrößert sich jedoch die Gefahr, dass diese Anleihen irgendwann kaum noch etwas wert sind, zerfressen von einem Wertverfall des Dollar.
„Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“
Diese Rekordverschuldung ist aber eben nur möglich, weil die USA mit der Stellung des Dollar als führender Reservewährung privilegiert ist. „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“, sagte einst John Connally, Finanzminister unter Richard Nixon. Jedes andere Land wäre angesichts einer Haushaltspolitik wie in zuletzt in den USA schon längst pleite. Amerika kann es sich jedoch erlauben, weil es eben keine Alternative für globale Investoren gibt. Genau diese wollen die BRICS-Staaten nun mittelfristig schaffen. Und sie haben auch tatsächlich die Macht dazu. Denn in den vergangenen zehn Jahren, seit O’Neill den Begriff der BRIC-Länder schuf, hat sich die Welt drastisch verändert. Machten europäische Unternehmen beispielsweise 2002 noch gerade mal acht Prozent ihrer Umsätze in den vier Staaten, so hat sich dieser Anteil bis heute verdoppelt. Und in drei bis fünf Jahren dürfte er auf rund ein Fünftel steigen, wie die Analysten der Société Générale prognostizieren. Wer solch einen Anteil am weltweiten Handel hat, der kann auch bestimmen, in welcher Währung dieser abgewickelt wird.
Allerdings: Noch ist es nicht so weit. Noch sind die BRICS-Länder stärker von Europa und den USA abhängig, als es vielen von ihnen lieb sein mag… Die Börsen der BRIC-Länder hinkten in ihrer Entwicklung jener in den Industriestaaten deutlich hinterher. Und dies könnte durchaus noch einige Zeit so weitergehen. Denn ganz ohne Probleme sind die aufstrebenden Weltmächte auch nicht. Vor allem kämpfen sie seit Monaten gegen eine galoppierende Inflation…
Viele der kleineren Schwellenländer ziehen Investoren an.
Zudem hat die internationale Investorengemeinde nach zehn Jahren BRIC irgendwie die Lust an diesem Thema verloren. Man sucht sich neue Ziele. Und inzwischen gibt es diese auch. „Wir geben dem Nicht-BRIC-Segment in den Schwellenländern den Vorzug“, sagt beispielsweise Alain Bokobza von der Société Générale. „Viele andere Schwellenländermärkte sind in der jüngsten Zeit auch zugänglich und handelbar geworden, und das zieht viele Investoren an.“ Dem stimmt Chris Laine, Portfolio-Manager bei State Street zu. „Viele der kleineren Schwellenländer haben in aller Stille anlegerfreundliche Reformen durchgeführt und verdienen die Aufmerksamkeit der Investoren“, sagt er. Viele dieser Länder böten gutes Wachstum und solide Gewinne. „Davor sollten Anleger nicht die Augen verschließen.“
Große Schwellenländer bauen Kooperation aus
13. Apr. 2011
„Die führenden Schwellenländer wollen in der Weltwirtschaft ein größeres Wort mitreden. Die Gruppe der sogenannten Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und neuerdings auch Südafrika vereinbarten am Mittwoch einen Ausbau ihrer Zusammenarbeit… Nach der Weltwirtschaftskrise rücken die großen Schwellenländer enger zusammen…
Die fünf Brics-Staaten haben nach chinesischen Angaben einen Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung von 18 Prozent und beherbergen rund 40 Prozent der Weltbevölkerung. 2010 trugen sie demnach sogar zu mehr als 60 Prozent des weltweiten Wachstums bei. Zwischen 2001 und 2010 sei der Handel unter den Brics-Staaten um jährlich 28 Prozent auf fast 230 Milliarden US-Dollar gestiegen…
Die Wirtschafts- und Handelsminister sprachen sich… gegen Protektionismus aus und vereinbarten eine Ausweitung von Handel und Investitionen… Die Minister waren sich auch einig, innerhalb der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländern enger zu kooperieren und geschlossener aufzutreten…
Außerdem sollte die Kreditvergabe ausgeweitet werden, forderte der Präsident der chinesischen Entwicklungsbank (CDB), Chen Yuan, in Sanya. Die Staatsbank selbst hat bereits Kredite in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar an Brics-Staaten vergeben, um Infrastruktur zu bauen, Energie zu entwickeln oder Rohstoffe zu fördern. Die Lenker der Schwellenländer waren 2009 erstmals in Russland zusammengekommen. Der zweite Gipfel fand 2010 in Brasilien statt."
(dpa)
FAZ
12. April 2011
„ China baut die meisten Atommeiler, investiert aber auch am stärksten in erneuerbare Energien… Zwar bleibt die Volksrepublik der am schnellsten wachsende Markt für neue Atomkraftwerke. Doch China verzögert den Ausbau und treibt stattdessen die erneuerbaren Energien voran.
China treibt die erneuerbaren Energien voran.
Schon jetzt gewinnt kein anderes Land der Welt mehr Strom aus Wasser und Wind, niemand investiert mehr in alternative Quellen als China… Im vergangenen Jahr zog das Land bei den Ausgaben für alternative Energien erstmals an Deutschland vorbei auf den ersten Platz. Nach einer Studie der Nichtregierungsorganisation Pew Charitable Trust in Washington betrugen die Investitionen rund 54 Milliarden Dollar, in Deutschland waren es etwa 41, in Amerika 34 Milliarden. Der Grund für diese Rekorde ist der Energiehunger des Riesenreiches. Das Wachstum ist derart stark und die Effizienz derart schwach, dass sich der Stromverbrauch in den vergangenen 15 Jahren fast vervierfacht hat. Bisher gewinnt China seine Elektrizität zu 80 Prozent aus Kohle, zu 16 Prozent aus Wasser, zu 2 Prozent aus der Kernspaltung und zu einem Prozent aus Wind… Der neue Fünfjahresplan sieht bis 2015 eine Vervierfachung der Nuklearkapazität auf 40 Gigawatt vor. Der Zuwachs erfolgt von einem niedrigen Niveau aus, denn China ist erst spät in die Technik eingestiegen und unterhält - bei zehnmal mehr Einwohnern - nur ein Viertel so viele Meiler wie Japan…
China kommt um die Atomkraft nicht herum.
Sicherheitsanforderungen werden erhöht.
„Wir kommen um die Atomkraft nicht herum, wenn unsere Wirtschaft aufholen soll, aber natürlich verzögert Fukushima den Ausbau“, sagt Cao Yin, Leiter der Energieabteilung beim Marktforscher Frost and Sullivan in Schanghai. Er erwartet, dass die Behörden die Sicherheitsanforderungen erhöhen und Standorte nahe von Küsten, Städten oder Erdbebenzonen nicht genehmigen werden. Das koste mindestens ein Jahr Zeit. „Wir sehen keine bedeutende Veränderung am Nuklearkonzept, wohl aber eine technische und planerische Aufrüstung“, sagt Zhou Xizhou, stellvertretender Direktor von Cambridge Energy Research Associates in Peking. Dazu zählt er, dass der überhastete Ausbau in den Provinzen überprüft wird. In Hunan und Yunnan seien unsichere Baugelände bereits geschlossen worden… China hat sich das Ziel gesteckt, bis 2020 gut 15 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus nichtfossilen Quellen zu decken, wozu es auch die Nukleartechnik zählt; bisher sind es etwa 8 Prozent… Während China bei der Nutzung von Wasser und Wind die Welt anführt und an Grenzen stößt, spielt der Solarstrom bisher keine Rolle. “
Neue Giganten auf der Überholspur
4. Febr. 2011
Von Peter Muzik
„Der chinesische Autoproduzent Geely, der saudische Chemieriese Sabic und der thailändische Öl- und Gas-Konzern PTT haben eines gemeinsam: Sie zählen zu einem elitären Zirkel von 100 rasant wachsenden Top-Konzernen aus Schwellenländern… Die "Global Challengers"… sind von 2000 bis 2009 jährlich im Schnitt um 18 Prozent gewachsen. Das ist die dreifache Geschwindigkeit von ihren Konkurrenten aus den USA, Europa und Japan. Der bereinigte Gewinn der Unternehmen aus den Schwellenländern wuchs in diesem Zeitraum ebenfalls um durchschnittlich 18 Prozent pro Jahr.
Gemeinsam ist ihnen ihre Politik:
Sie setzen vor allem auf die rasant wachsenden Mittelschichten in ihrer jeweiligen Heimat, die im Jahr 2020 bereits fast ein Drittel der Weltbevölkerung ausmachen wird.
"Sie generieren in den lokalen Märkten ein gigantisches Wachstum", sagt David Michael, Berater bei Boston Consulting, "und die etablierten Multis werden sich sehr anstrengen müssen, um sich dort festzusetzen."…
Beim Kampf um die Zukunft haben die großen Hoffnungsträger aus den rasant wachsenden Volkswirtschaften beträchtliche Vorteile: Zum einen agieren sie auf riesigen Heimmärkten, wo sie großteils von Politik und Banken strategisch unterstützt werden, weshalb sich dort etwa US- oder europäische Multis ungleich schwerer tun.
Zum andern haben sie bei der Eroberung neuer Märkte wie etwa Afrika bessere Karten als die etablierten Rivalen, weil sie diese besser kennen und dank der weitaus niedrigeren Lohnkosten mit billigeren Produkten versorgen können…
Die Champions der Zukunft
China stellt mit 33 Top-Konzernen jeden dritten "Global Challenger". Allerdings zählen nicht die absoluten Umsatz-Giganten Chinas – wie Sinopec, State Grid oder China National Petroleum – zu dem erlauchten Kreis, sondern durchwegs umsatzmäßig kleinere Konzerne wie die Sinochem Group, China State Construction Engineering, Baosteel, Huawei Technologies und die Aluminium Corporation of China. Auch altbekannte wie der Elektrogerätehersteller Haier, der Computerkonzern Lenovo sowie die Autoproduzenten Chery und Geely sind dabei.
Indien kann unter anderem die Reliance Industries aus Mumbai, mit 41 Milliarden Dollar umsatzmäßig die Nummer zwei am Subkontinent, aufbieten, aber auch das Konglomerat Tata, das mit sechs Mitgliedern im Spitzenfeld liegt – beispielsweise mit Tata Steel, Tata Motors oder Tata Chemicals. Auch Bajaj Auto und Lupin Pharmaceuticals haben das Zeug, sich mit einer tollen Performance an die Weltspitze zu drängen.
Brasilien wiederum hat, abgesehen vom Ölgiganten Petrobas, mit 92 Milliarden Dollar Umsatz die Nummer eins im Lande, 12 absolute Geheimtipps im Rennen. Als stark gelten etwa der Kosmetikspezialist Natura, die auf Bettwäsche spezialisierte Textilgruppe Coteminas oder der Luftfahrtkonzern Embraer einzuschätzen. Er gilt schon jetzt nach Boeing und Airbus ex aequo mit der kanadischen Bombardier weltweit als Nummer drei.
Aus Russland sind zwar bloß sechs Top-Konzerne wie Gazprom, Lukoil und Severstal, neuerdings auch Norilsk Nickel mit von der Partie, doch mit diesen wird laut Boston Consulting künftig sehr zu rechnen sein…
Die restlichen Superfirmen sind in Mexiko (sieben), in Thailand (vier) sowie in Südafrika, den Emiraten, Saudiarabien, Ägypten, der Türkei, Chile, Argentinien, Malaysien, Indonesien und Ungarn daheim.
Dominiert wird die Liste der Emporkömmlinge von Unternehmen aus China. Alleine 33 Firmen stammen aus der Volksrepublik, darunter einige bereits bekannte Namen wie Haushaltsgerätehersteller Haier und PC-Fabrikant Lenovo, vor allem aber unbekannte Anbieter wie Li&Fung (Handelshaus) oder Sinohydro (Großbauten). Auf den Plätzen hinter China folgen Indien (20), Brasilien (13), Mexiko (7), Russland (6) und Thailand (4).
Insgesamt stammen die Riesen der Zukunft aus 16 Ländern, darunter Südafrika und Ägypten, Chile und Argentinien, oder Indonesien, Malaysia und Türkei. Tätig sind sie überwiegend im Investitionsgüterbereich (34) und der Rohstoffwirtschaft (24). Mittlerweile drängen aber zunehmend auch Dienstleister und Konsumgüterhersteller in die etablierten Märkte.
Asiens Wirtschaft boomt - die Lohnkosten steigen
Asien Kurier 1. März 2011 Von Achim Haug
„Um rund 9,3 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region Asien und Pazifik 2010 laut der Weltbank gestiegen…
Neben Hightech-Spezialisten wieSüdkorea, Taiwan undSingapur, die schon lange Hochlohnländer sind, stehen vor allem China, Indien und auchVietnam im Fokus ausländischer Investoren. Doch auch dort steigen die Lohnkosten rasch und nähern sich den schon entwickelteren Volkswirtschaften wie Malaysia und Thailand an. Alle Schwellenländer kämpfen dabei darum, sich in der Wertschöpfung höher zu positionieren. Gleichzeitig steigen aber auch die Lohnkosten. Unternehmen mit arbeitsintensiver Fertigung sind gezwungen, sich nach neuen Produktionsstandorten umzusehen. "China + 1" lautet daher oftmals die neue Strategie und der Zusatzstandort liegt immer häufiger in Süd- oder Südostasien. Länder wie Kambodscha, Bangladesch und Sri Lanka fehlt aber noch das wirtschaftliche Umfeld und die Infrastruktur um ausländische Direktinvestitionen in großem Maße anzuziehen
- Vietnam hat sich zu einem Shootingstar unter den asiatischen Schwellenländer entwickelt und schickt sich an, China zumindest einen Teil der Werkbank der Welt abzunehmen. Da Vietnam allerdings bei weitem nicht das Arbeitskräftepotenzial des großen Nachbarn zur Verfügung hat, steigen bereits die Löhne und die Inflation. Im Wettbewerb um Investoren und Aufträge zählen die im regionalen Vergleich niedrigen Lohnkosten zu den Trümpfen…
- Die zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China ist in weiten Teilen kein"Billiglohnstandort" mehr. Die einfache Lohnfertigung verlagert sich zunehmend in die inneren Provinzen oder gleich nach Vietnam und Bangladesch. Die Wirtschaftskrise hat dafür gesorgt, dass sich 2009 derZuwachs bei den chinesischen Durchschnittslöhnen mit einem Plus von knapp 12 Prozent erheblich verlangsamte, die geringste Steigerungsrate der letzten zehn Jahre. 2010 stiegen die Lohnkosten aber wieder auf breiter Front, da die Wirtschaft weiter wuchs, der Export brummte und zusätzlich die Mindestlöhne deutlich erhöht wurden. Spektakuläre Arbeitskämpfe bei ausländischen Unternehmen beherrschten die Schlagzeilen mit hohen, häufig zweistelligen Lohnzuwächsen. Qualifizierte Fachkräfte zu finden, bereitet zunehmend Probleme. Selbst Fließbandarbeiter bleiben den Produktionshoch-burgen in Süd- und Ostchina zunehmend fern und versuchen ihr Glück in ihrer Heimatprovinz.
- Indien, das zweite bevölkerungsreiche Schwellenland in Asien, besticht durch seine dynamische Wirtschaftsentwicklung. Ein Großteil neuer Arbeitsplätze entsteht in den Wachstumsbranchen, wie der verarbeitenden Industrie und dem Dienstleistungssektor. Noch hinkt die Arbeitsproduktivität im asiatischen Vergleich aber deutlich hinterher…
- In Thailand stagnierte angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren… Doch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung 2010 zog auch die Beschäftigung wieder an. Neben dem Lohn leistet Umfragen zufolge das Schaffen einerfamiliären Kultur einen wichtigen Beitrag zur Mitarbeiterbindung. Thailand besticht im innerasiatischen Vergleich durch eine hohe Beteiligung von Frauen am Arbeitsleben allgemein sowie in Führungspositionen. Der Arbeitsmarkt befindet sich aufgrund der Globalisierung jedoch im Umbruch und traditionelle Konzepte, wie strenge Hierarchien, sind in der Veränderung.
- Japan, Südkorea und Taiwan sind als Hochtechnologieländer schon lange keine preiswerten Standorte mehr. Japan hat die höchsten Arbeitskosten in Asien, Südkorea folgt auf Rang 2…
- Die Sonderverwaltungsregion Hongkong gehört offiziell zu China, die Wirtschaftsordnung bleibt aber eigenständig. Hongkong gilt weiterhin als eine der liberalsten Volkswirtschaften der Welt und ist ein Arbeitgeberparadies. Es gibt keine Gewerkschaften, keine Mindestlöhne, und die Sozialversicherungs-beiträge liegen bei nur 5 Prozent. Eine einmonatige Kündigungsfrist gewährt optimale Flexibilität…
Pläne für mehr Effizienz und Kapazitätsausbau in Thailand
Asien Kurier
1. März 201
Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest in Bangkok
„Der Stromverbrauch gilt als guter Indikator für die gesamtwirtschaftliche Situation und das Abschneiden von Sektoren, insbesondere der Kfz-, Stahl- und Elektronikindustrie.
Die Werte liefen zuletzt fast im Gleichschritt mit der konjunkturellen Entwicklung. Die Wirtschaft des südostasiatischen Landes hatte sich 2010 mit einem geschätzten realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 7,9 Prozent nach der Talfahrt im Vorjahr wieder überraschend schnell aus der Krise herausgearbeitet…
Die Zahl der Haushalte, die über ein Fernsehgerät verfügen, soll sich bis 2020 um mehr als 70 Prozent erhöhen. Bei Mikrowellen, Klimaanlagen und PCs erreichen die erwarteten Steigerungsraten sogar mehr als 200 Prozent.
Ebenso übernimmt die thailändische Landbevölkerung immer stärker städtische Lebensweisen, was zu einem tendenziell höheren Energieverbrauch führt.
Nach der Studie ist vor allem problematisch, dass in Thailand die Steigerungsrate des Verbrauchs über derjenigen des Produktionszuwachses liegt. Nach Einschätzung von Experten droht deshalb die Gefahr vonVersorgungsengpässen… Energieeffizienzmaßnahmen sind nach Einschätzung des Finanzinstituts das geeignete Mittel, um einem Nachfrageüberhang vorzubeugen… Das Energieministerium will daher seine Bemühungen im Bereich Energieeffizienz intensivieren…
Hervorragende Lieferchancen bieten unter anderem Bereiche wie Hochspannungsschaltelemente, Kontrollschränke, Automatisierungstechnik, Turbinen und Scada-Software… Deutsche Produkte und Dienstleistungen können nach Einschätzung von Fachleuten aufgrund ihrer hohen Qualität und innovativen Ansätze zum Zug kommen und etwaige preisliche Nachteile überkompensieren. Als Hauptkonkurrenten werden andere Unternehmen aus Europa, aus Japan und aus den USA genannt.“
13.04.2008
Asienreisefuehrer.com
Das Sozialprodukt (BIP) entsteht in Thailand zu 53% im Dienstleistungs-bereich, zu 37% in der Industrie und zu 10% in der Landwirtschaft. Der Tourismus mit6% Anteil am BIP ist die wichtigste Devisenquelle…
Die Staatsverschuldung lag Januar-Juli 2007 mit 85,88 Milliarden US Dollar bei 34,96% des BIP. Die Regierung wird für die Finanzierung des Defizits auf die Währungsreserven zurückgreifen. Die Auslandsverschuldung ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren worden. Unter anderem hat Thailand die Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF), die es zur finanziellen Sanierung nach der Asienkrise erhalten hatte, zwei Jahre vor Fälligkeit vollständig zurückgezahlt. Die Währungsreserven lagen im August 2007 bei 74,4 Milliarden US-Dollar. 2007 ist die Auslandsverschuldung von 6,8% auf 5,6% des BIP gesunken…
Die Währung Thailands, der Baht, steht zusammen mit anderen Währungen Asiens unter Aufwertungsdruck… Der Wert der Währungen von Thailands Handelsrivalen (Singapur, Malaysia, China, Vietnam) stieg zwischen 8 % und 10 %. Ursache für den starken Baht sind der schwache Dollar, ein erheblicher Leistungsbilanzüberschuss von 6,6 Millarden US Dollar und die ausländischen Kapitalzuflüsse auf den Aktienmarkt (2,87 Millarden US Dollar)…
Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom BoI unter anderem durch Steuerermäßigungen und erleichterte Genehmigungsverfahren gefördert… In bestimmten Sektoren sind Auslandsinvestitionen nicht zulässig, in anderen darf die ausländische Beteiligung bis 49% nicht überschreiten… Umstritten sind weitere Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren zu geschützten Bereichen, insbesondere die Beschränkung der Stimmrechte des ausländischen Investors auf maximal 49% und die Managementkontrolle durch den thailändischen Partner.
Thailand unterstützt im Grundsatz den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es mit Nachdruck eine Vielzahl von bilateralen Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hat bereits mit China (2003), Indien (2004), Australien (Januar 2005) und Neuseeland (Juli 2005) Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die Verhandlungen über ein Abkommen mit den USA sind derzeit ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Japan wurde am 3. April 2007 unterzeichnet. Die EU steht in Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit ASEAN…
Die Handelsbilanz ist traditionell positiv. 2006 lag der Handelsbilanzüber -schuss bei 2,91 Mrd. US Dollar… Hauptexportgüter sind elektrische und elektronische Geräte, Automobilien sowie landwirtschaftliche Produkte, u.a. Reis und Kautschuk. Hauptabnehmer thailändischer Produkte sind die USA, Japan, die EU, die südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN)ASEAN) und China… Thailand importiert rund 35% aller Waren aus Japan und ASEAN. 12% sind Rohöl- und Ölprodukte aus dem Nahen Osten. Gut 10% der Importe stammen aus China als die neue drittwichtigste Herkunftsnation. Danach folgen die EU mit 8% und die USA .“
Die jungen Löwen
Von Marina Zapf, Berlin
„Sieben Länder Afrikas gehören zu den zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Vor allem Brasilien, Indien und China helfen dabei… Diese „Sprinter“, wie der „Economist“ sie nennt, stechen heraus aus der Masse schwarzafrikanischer Staaten.
Doch während das schon industrialisierte Nordafrika in Turbulenzen gerät, holt der ärmste Kontinent der Welt, auf dem ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt, mit beispielloser Dynamik auf.
Globalisierung zähmen und die Früchte ernten. Das Buch
"Afrika, der vergessene Kontinent, bekommt eine Chance."
Sollten die afrikanischen Löwen eines Tages mit den asiatischen Tigern gleichziehen, dann sicher, weil ihnen südliche Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien auf den Sprung geholfen haben. Denn diese tragen durch Handel und Investitionen erheblich zum wirtschaftlichen Aufschwung bei – und das längst über den Rohstoffsektor hinaus…
Afrikas Bruttoinlandsprodukt beträgt heute rund 1600 Mrd. Dollar, etwa so viel wie das brasilianische oder russische. Das Zehn-Jahres-Wachstum von 5,7 Prozent – mehr als Lateinamerika – stützt sich neben Rohstoffen auf den Groß -und Einzelhandel, die Landwirtschaft, Verkehr und Telekommunikation, Verarbeitung und Finanzwirtschaft…
Die großen Investoren, die Afrikas Wachstum befeuern, entstammen der starken Süd-Achse: Die Schwellenländer Asiens und Südamerikas sichern sich zwar große Mengen Öl, Kohle und Erz. Im Gegensatz zur „alten Welt“ sehen sie in Afrika aber mehr Chancen als Risiken.
Der Drang der Wachstumslokomotiven China, Indien und Brasilien (aus der sogenannten Bric-Gruppe) nach Afrika weckt indes auch eigene Kräfte. „Afrika ist ein dynamischer Kontinent“, sagt Helmut Reisen, Forschungsdirektor beim Entwicklungszentrum der OECD. Ein solider Länderkern nähere sich – gemessen an der Wachstumsrate pro Kopf – anderen Schwellenländern an.
- „Ein Prozent Beschleunigung in China übersetzt sich mit 0,3 bis 0,5 Prozent in den armen Ländern“, sagt Reisen.
Afrika profitiere von der immer engeren Verflechtung mit China, Indien und Brasilien in dreifacher Hinsicht:
- Strategisch sind sowohl Kapitalquellen wie auch Exportkunden breiter gestreut.
- Die südlichen Partner bauen zügig und kostengünstig Infrastruktur, deren maroder Zustand den Kontinent bislang chronisch arm hielt.
- „Und Afrika profitiert vom Superzyklus, den die Nachfrage der Bric für fossile Brennstoffe und Industriemetalle entfacht hat“, sagt Reisen.
Der Handel der Bric-Staaten mit Afrika ist zwischen 2000 und 2009 von rund 20 Mrd. Dollar auf 250 Mrd. Dollar gestiegen. Und er dürfte sich bis 2015 auf mehr als 530 Mrd. Dollar verdoppeln, schätzt Simon Freemantle, Ökonom bei der Standard Bank in Südafrika. Afrika werde dann ein Drittel seines Handels mit diesen Ländern abwickeln…
- Wo Schwellenländer Rohstoffe abbauen und Menschen mit bezahlbaren Konsumgütern versorgen, bauen sie auch Straßen und Eisenbahnen, Kraftwerke und Wasserleitungen.
- Zwar werden Arbeitskräfte importiert, doch sie lassen auch Know-how da, so der Chefökonom der Afrikanischen Entwicklungsbank, Mthuli Ncube...
- „Die Großkonzerne der Schwellenländer entdecken die neue Spielwiese.“ Andere ziehen nach. So steigt die US-Kette Wal- Mart auf dem Kontinent ein, Nestlé und Coca-Cola steigern Investitionen.
„Der Wissenstransfer ermöglicht allmählich den eigenen Marktanschluss“, sagt Ncube und verweist auf Exportverarbeitungs- und Industrieparks, die wie in Sambia auch in Uganda oder Äthiopien entstehen. „Sie werden zu Leuchttürmen für Investoren. Und diese Entwicklung ist erst am Anfang.“
erschienen in FTD vom 18.02.2011 auf Seite 15
9. März 2011
Von Martin Hüfner
" Jeder denkt bei den ökonomischen Wirkungen der Krise in Nordafrika und im Nahen Osten im Augenblick an die höheren Ölpreise und die gestiegenen Unsicherheiten für Konjunktur und Inflation. Daneben gibt es aber auch andere Auswirkungen. Auf den Kapitalmärkten geht eine Ära zu Ende, die die vergangenen 40 Jahre geprägt hat…
Für die langfristige Entwicklung der Kapitalmärkte lassen sich drei Trends erkennen. Der eine betrifft die Staaten in Nordafrika. Jeder einzelne von ihnen ist relativ klein. Zusammen genommen haben sie aber eine Bevölkerung von 150 Millionen. Das ist mehr als Russland. Die Arabische Liga hat sogar 330 Millionen Einwohner, so viel wie das Euro-Gebiet…
- Priorität in diesen Ländern hat nach der Wiedergewinnung der Freiheit nunmehr die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und sonstigen Verbrauchsgütern. Darüber hinaus müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Das erfordert den Auf- und Ausbau neuer Industrien, vor allem im Konsumgüterbereich. Dazu sind Importe notwendig. Die Länder werden zusammengenommen zusätzliche Leistungsbilanz-defizite haben. Das bedeutet mehr Kapitalnachfrage. Gebraucht werden vor allem Direktinvestitionen.
- Der zweite Trend ist quantitativ wichtiger und betrifft die Ölexporteure der Region. Im Rahmen des Recyclings der Ölgelder haben sie die Industrieländer in den vergangenen 40 Jahren maßgeblich mit Kapital versorgt. Das war für beide Seiten vorteilhaft.
Die großen Vorteile der Staatsfonds sind, dass sie neben ihren finanziellen Mitteln eine hohe Expertise besitzen, dass sie langfristig denken, dass sie in ihren Motiven gut einzuschätzen sind und dass sie auch Risikokapital zur Verfügung stellen, nicht nur Fremdkapital… Es ist zu vermuten, dass die Staatsfonds verstärkt in ihren eigenen Ländern investieren werden. Sie werden versuchen, dort mehr Arbeitsplätze zu schaffen und den Reichtum breiter zu verteilen, damit es nicht zu Unruhen kommt. Saudi-Arabien hat zuletzt angekündigt, 36 Mrd. Dollar für Lohnerhöhungen, höhere Arbeitslosen-unterstützung sowie Mietsubventionen ausgeben zu wollen. Gleichzeitig werden die Staatsfonds aus Angst vor weiteren Unruhepotenzialen die bevölkerungsreichen Länder Nordafrikas unterstützen. Für die westlichen Industriestaaten bleibt dann weniger übrig. Damit aber entfällt die Geschäftsgrundlage für die Ära des Recycling der Ölgelder.
Die Zahl der großen Kapitalinvestoren der Welt verringert sich. Wer im Westen in Zukunft noch Geld braucht, kann sich im Wesentlichen nur noch an Staaten wie Singapur wenden oder aber an China. China ist jedoch ein schwierigerer Partner. Die Motive des Landes sind schwerer einzuschätzen. Vor allem weiß man nicht, inwieweit es politische Absichten hat oder auf den Transfer von Know-how aus ist.
- Der dritte Trend betrifft schließlich die Gelder, die die Diktatoren der Region für sich selbst angesammelt haben. Er findet in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit, weil es sich hier um für einzelne Personen erhebliche Mittel handelt. Gemessen an den Größenordnungen der internationalen Kapitalmärkte sind es jedoch meist kleinere Posten. Immerhin aber entfallen hier für große Banken wichtige Kunden.
Die unerträgliche Trägheit Amerikas
Von Matthias Ruch
„ Es ist der Frühling der Demonstranten.
In Ägypten, in Russland, in Italien und überall dort, wo die Menschen die Verhältnisse nicht mehr dulden wollen, gehen sie massenhaft auf die Straße.
Nur in einem Land blieb der Protest gegen Sozialabbau und Korruption bislang fast unerträglich leise: in Amerika… Über Jahre haben sich die Amerikaner träge und wehrlos ausnehmen lassen, dabei fordern Politiker und Banker spätestens seit der Finanzkrise mit ihrem dreisten, teils illegalen Geschäftsgebaren das Volk geradezu heraus.
Die soziale Lage ist dramatisch,
die Gewerkschaften sind schwach, doch wie betäubt ergeben sich die Amerikaner in ihr Schicksal. Die einen schuften rund um die Uhr, die anderen resignieren. Und eine kleine, mächtige Elite plündert das Land ungehindert weiter aus, als wäre nichts gewesen.
Von den Konzepten, mit denen Barack Obama die Missstände angehen wollte, ist gut zwei Jahre nach seiner Wahl nicht viel geblieben. Die Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet, und die Republikaner nutzen jede Gelegenheit, um den Präsidenten auszubremsen. Eine effektive Finanzregulierung wurde ebenso verhindert wie strengere Auflagen für die Ölförderung. Dafür dürfen sich die Reichen weiter über Steuergeschenke freuen…
Und was machen die Amerikaner? Sie leiden und erdulden.
Und überlassen die Straße der Tea Party. In guten Zeiten, als es den Amerikanern in jeder neuen Generation noch etwas besser ging als ihren Eltern, scheint diese Trägheit noch verständlich. Doch die Zeiten sind nicht gut. Zum ersten Mal wird es der nächsten Generation nun schlechter gehen als der zuvor.
Das Bildungsniveau fällt weiter ab, das Sozialsystem kollabiert. Polizei und Feuerwachen müssen schließen, Lehrer werden entlassen. Millionen Familien verlieren ihre Häuser, und die Zahl der Amerikaner, die nur noch von Essensmarken lebt, ist auf 43,6 Millionen gestiegen. Den höchsten Stand aller Zeiten.
Der Wandel, den Obama versprochen hatte, ist ausgeblieben, jetzt ist die Straße am Zug. Die Amerikaner müssen endlich aufbegehren, massenhaft und laut. Es wird höchste Zeit. “
Abgedruckt in FTD vom 21. 02. 2011 auf Seite 24
US-Ermittler klagen Notenbank an | FTD.
26. Jan. 2011
Von Zacharias Zacharakis
Der Kongressausschuss zur Untersuchung der Finanzkrise erhebt schwere Vorwürfe gegen die Notenbank Federal Reserve und die US-Börsenaufsicht. Ex-Notenbankchef Alan Greenspan und andere hätten dazu beigetragen, dass "zentrale Schutzvorrichtungen entfernt" wurden, die "eine Katastrophe hätten verhindern" können… Grobe Versäumnisse macht der Bericht bei der US-Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) aus. Diese habe es trotz riskanter Geschäfte der Banken unterlassen, höhere Kapitalreserven einzufordern. Die Notenbank habe den Fehler begangen, die toxischen Hypotheken nicht einzudämmen und keine strengeren Standards bei der Kreditvergabe einzufordern. Den Grund für das laxe Vorgehen sieht der Ausschuss auch im "fehlenden politischen Willen", die Finanzindustrie stärker an die Leine zu legen. Beeinflusst worden sei diese Haltung vom Lobbyismus der Banken, die dafür zwischen 1999 und 2008 insgesamt 2,7 Mrd. Dollar ausgegeben hätten…“
"american beauty" schlägt zurück, have a look !
Die Armen: Verursacher der Krise? by Simon Johnson - Project Syndicate Immer noch sterben spaltet erhitzte debatte Über sterben Ursachen der Finanzkrise von 2007-2009 vereinigten Staaten. Ist sterben regierung ein DM schuld war schief Gegangen ist, und fällt ja, in welchem sinne?
Die Armen haben die Krise nicht verursacht
20. Jan. 2011
Von Simon Johnson (Project Syndicate)
„Immer noch spaltet die erhitzte Debatte über die Ursachen der Finanzkrise von 2007-2009 die Vereinigten Staaten. Ist die Regierung schuld an dem, was schief gegangen ist und falls ja, in welchem Sinne?...
Es gibt unterschiedliche Theorien darüber, warum es zu dieser Änderung kam. Eine davon ist, dass Wahlkampfspenden eine zentrale Rolle spielen, dazu kommen die engen personellen Beziehungen zwischen der Wall Street und Washington und vor allem ein ideologischer Schwenk hin zu der Sichtweise, dass Finanzwirtschaft gut, mehr Finanzwirtschaft besser und eine Finanzwirtschaft, die keinerlei Einschränkungen unterliegt, am besten ist… Der Anstoß für einen großen Subprime-Markt ging vom privaten Sektor aus: von „Innovationen" der riesigen Hypothekenbanken Countrywide, Ameriquest und anderen, die von den großen Investmentbanken unterstützt wurden.
Und, um es deutlich zu sagen, es waren einige der größten Akteure der Wall Street, nicht überschuldete Hauseigentümer, die im Gefolge der Krise großzügige staatliche Rettungsgelder erhielten…
Tatsächlich hat die Ungleichheit der Einkommensverteilung in den USA in den letzten 40 Jahren stark zugenommen… So stiegen die Einkommen der obersten zehn Prozent während der 80er Jahre steil an. Die wöchentlichen Einkommen der ärmeren 50% und der untersten 10% wuchsen zu dieser Zeit nur langsam…
Die großen Gewinner aller Arten von „Finanzinnovationen" während der letzten drei Jahrzehnte waren nicht die Armen oder die Mittelschicht, sondern die Reichen…
Die Republikaner weisen die Schuld entschieden den staatseigenen Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac zu. Tatsächlich waren die beiden zu groß, um sie scheitern zu lassen. Das ermöglichte es ihnen, selbst billigere Kredite aufzunehmen und größere Risiken einzugehen – und zwar mit viel zu wenig Eigenkapital, um ihre riskanten Engagements zu stützen…
Der Hauptanstoß für den Boom ging von den sogenannten „Private-Label-Verbriefungen" aus - und die waren, wie der Name sagt, völlig in privater Hand. Die Akteure des privaten Sektors versuchten, Fannie Mae und Freddie Mac mit ihren Produkten an den Rand zu spielen und sie vom schnell wachsenden Mark zu verdrängen.
Die Republikaner haben Recht, wenn sie die Regierung für die Krise verantwortlich machen. Nur war dies kein Fall der Überregulierung und des Übers-Ziel-Hinausschießens.
Im Gegenteil:
Dreißig Jahre Deregulierung des Finanzsektors - ermöglicht dadurch, dass deren Propagandisten die Herzen und Köpfe von Regulierern und Politikern beider Parteien gewannen- ließen fast alle Gewinne aus dem Immobilienboom an eine kleine Elite fließen, die überwiegend in der Wall Street sitzt.
Die Kosten wurden dem Rest der Gesellschaft aufgebürdet, insbesondere ihren relativ ungebildeten und schlecht bezahlten Mitgliedern, die jetzt ihre Häuser, Arbeitsplätze, Hoffnungen für ihre Kinder oder alles zusammen eingebüßt haben. Diese Menschen haben die Krise nicht verursacht. Aber sie sind es, die dafür geradestehen müssen.“
Copyright: Project Syndicate, 2011.
www.project-syndicate.org
Globales Pensionsvermögen erreicht Rekordstand
Frankfurt, 9. März 2011
Aktuelle Global Pension Asset Study von Towers Watson
Auf 26 Billionen US-Dollar stieg das institutionelle Pensionsvermögen 2010 in den 13 größten Pensionsmärkten weltweit an (+ 12 Prozent)… Seit dem Jahr 2000 ist das damals auf 16 Billionen US-Dollar geschätzte globale Pensions-vermögen – trotz eines Einbruchs während der Wirtschafts- und Finanzkrise – um 66 Prozent gestiegen… Trotz des deutlichen Anstiegs wurde das Niveau von Ende 2007 (78 Prozent) noch nicht wieder vollständig erreicht… Der aktuelle Wachstumstrend der Pensionsvermögen besteht seit 2009 (+ 17 Prozent). Zuvor waren die Pensionsvermögen jedoch im Krisenjahr 2008 um 21 Prozent zurückgegangen und hatten das weltweite Pensionsvermögen auf den Stand von 2006 zurückversetzt…
Dagegen ist der Ausfinanzierungsgrad in 2010 nur geringfügig angestiegen (+2 Prozent). Im Vergleich zu 1998 ist dieser sogar um 25 Prozent gesunken. Seit 1998 sind die Verpflichtungen um 93 Prozent angestiegen, während die Pensionsvermögen nur um 46 Prozent gestiegen sind…
Im internationalen Vergleich haben deutsche Pensionspläne die Finanzkrise auch aufgrund ihrer deutlich konservativeren Anlagepolitik mit einer hohen Renten-Allokation gut gemeistert. Über die letzten fünf Jahre weisen deutsche Pensionsvermögen im internationalen Vergleich einer der höchsten Wachstumsraten auf…
Im Schnitt nahm das globale Pensionsvermögen in lokaler Währung in den 13 wichtigsten Pensionsmärkten weltweit in 2010 über 9 Prozent zu. Die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate über die letzten 10 Jahre betrug 5,9 Prozent. Die USA, Japan und Großbritannien sind weiterhin die größten Pensionsmärkte weltweit, mit 58 Prozent, 13 Prozent und 9 Prozent des gesamten globalen Pensionsfondsvermögens…
Die höchste Zuwachsrate (in lokaler Währung) verzeichnete Brasilien mit 15 Prozent, gefolgt von Südafrika (13 Prozent), Hongkong (11 Prozent) und Australien (10 Prozent)…Gemessen am BIP verfügen die Niederlande über die höchsten Pensionsvermögen (134 Prozent), gefolgt von der Schweiz (126 Prozent), den USA (104 Prozent), Australien (103 Prozent) und Großbritannien (101 Prozent)… In Deutschland stieg das Pensionsvermögen in Relation zum BIP in den letzten 10 Jahren von 10 Prozent auf 14 Prozent…
- Der Rentenanteil in den Pensionsvermögen der sieben größten Pensionsmärkte weltweit (Australien, Kanada, Japan, die Niederlande, die Schweiz, Großbritannien und die USA) ist in den letzten 15 Jahren um 7 Prozent gesunken (von 40 Prozent auf 33 Prozent).
- Der Aktienanteil blieb relativ konstant und sank lediglich um 2 Prozent auf 47 Prozent.
- Die Investition in andere Vermögenswerte, insbesondere Immobilien, aber auch (in geringerem Maße) Hedge-Fonds, Private Equity und Rohstoffe stieg seit 1995 von 5 Prozent auf 19 Prozent.
Hier spiegelt sich der weltweit zu beobachtende Trend hin zu einer höheren Diversifizierung des Anlagevermögens wider…
Die 13 größten Pensionsmärkte, die für die Studie betrachtet wurden, sind Australien, Kanada, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Hongkong, Irland, Japan, die Niederlande, Südafrika, die Schweiz, Großbritannien und die USA. Diese Länder halten zusammen mehr als 85 Prozent des globalen Pensionsvermögens.“
Ein Buch, das seit Januar 2007 komplett online zur Verfügung steht.
„Während die Finanzgeschäfte von Investmentbanking , Versicherungen, Finanzinvestoren,"hedge-fonds" und von "private-equity" blühen und die globalen Konzerne glänzende Gewinne machen, sind die Bürger in den reichen Industrieländern die Geschädigten, die Immobilien-Schulden anhäufen, Kaufkraft, Kreditwürdigkeit, soziale Sicherheit und Arbeitsplätze verlieren.“
Globale Ungleichgewichte: Brennende Fragen der Globalisierung
Eine globale "new economy" ist im Entstehen
Inhalt: "Globalisierung zähmen“
Inhalt: - Globalisierung zähmen und die Früchte ernten
Globalisierung zähmen und die Früchte ernten.
Navigation durch die Kapitel des Buches.
worldwide hits and KBytes seit Januar 2007
Ein Schuldbekenntnis
weltweite hits und KBytes von Globalisierung zähmen
best global hits und KBytes von Januar 2007 bis Dez. 2010
Zerberus hat Folgendes geschrieben:
Globalisierung zähmen und die Früchte ernten
2010 ist nach der Krise und 2007 war vor der Krise
Eine Rück- und Vorrausschau
Chinas grenzenloses Streben nach Macht
Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo
China in strategischer Rivalität mit den USA ?
Währungs- und Handelskriege bedrohen die Weltwirtschaft.
Die Reichen werden immer reicher.
Globalisierung zähmen: Bretton-Woods II
Bretton-Woods II nimmt konkrete Gestalt an.
Bretton-Woods II: Der Weltfinanzgipfel der G-20
02. April 2009 London: „global plan for recovery and reform 2009“...
"We, the Leaders of the Group of Twenty, met in London on 2. April 2009.."
Photo-Gallerie
02. April 2009 London: „global plan for recovery and reform 2009
02.April 2009: Unterwegs zur weltweiten Öko SozialeMarktwirtschaft
Obamas "Feuerwerk an Wohltaten"
Neue "Weltregierung" etabliert sich und arbeitet an "schöner neuer Weltordnung"
Good Luck, Mr. President.
Eine „neue Ära“ der Zusammenarbeit für Fortschritt und Frieden ist "zwingend notwendig".
Asienstrategie der CDU-CSU zeitgemäß?
"Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht"
Unterwegs zur ÖkoSozialen Marktwirtschaft?
02.April 2009: Unterwegs zur weltweiten Öko Sozialen Marktwirtschaft ?
Vorsicht, sie droht zu kippen ...
"Vertrauen" kann durch "Nachhaltigkeit“ zurückgewonnen werden
"Herzlichen Glückwunsch, Frau Merkel!"
ÖkoSoziale Gewinnsteuer: Unterwegs zum Global Marshall-Plan
Kritische Anmerkungen zu einem Auszug aus "Global Marshall Plan
The Hubble Ultra Deep Field Gallerie
Was sind schon 1 000 000 000 000 Dollar?
In Äquatornähe legen wir 43 000 km zurück.
Was sind schon 1000 000 000 000 Dollar
Wir stellen uns vor, wir wären winzig…
Emerging economies continue to drive global productivity growth
The Conference Board
17. Januar 2011
Productivity growth also recovered signficantly in emerging economies in 2010, especially in those regions that suffered most from the global crisis such as developing Asia (excluding China and India), Latin America, Central and Eastern Europe, and Russia and other countries of the Commonwealth of Independent States.
China and India are the largest and most dynamic economies in productivity terms, at 8.7 percent and 5.4 percent in 2010, respectively.
Turkey’s productivity growth jumped to 2.2 percent in 2010 from -5.2 percent in 2009, mostly due to a strong GDP bounce-back; employment also kept growing.
Brazil continued to strengthen its productivity performance at 4 percent growth in 2010, outperforming the Latin American region as a whole, which saw an increase of 3.2 percent in 2010.
Russia’s productivity growth has recovered remarkably from a low of -6 percent in 2009 to 3.1 percent in 2010. But its underlying output and employment performance remains below the average of other large emerging economies.
In 2011, growth in labor productivity in emerging economies is likely to remain just below 5.0 percent, similar to 2010.
Im- und Exportstatistiken Chinas 2010
Radio China International
11.01.11
Chinas Außenhandel hat bereits wieder das Niveau vor der Finanzkrise erreicht. Bereits im November 2010 übertraf das gesamte Im- und Exportvolumen des Landes den Rekord von 2,6 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2008.
Laut den Statistiken des Hauptzollamtes ist das Wachstum des bilateralen Handels zwischen China und den USA, Japan sowie der EU niedriger als das Wachstum zwischen China und Indien, Brasilien sowie Russland. Professor Yuan Gangming von der Tsinghua-Universität zufolge dient dies dem Gleichgewicht der Weltwirtschaft:
"Die Entwicklung des Handels mit aufstrebenden Wirtschaftsnationen hat große Bedeutung. Dadurch werden nicht nur neue Märkte außerhalb der Industriestaaten ausgebaut,
>dies kommt auch der inneren Gesamtentwicklung der aufstrebenden Wirtschaftsnationen zugute.
>Solch aufstrebende Wirtschaftsnationen haben die gleiche wirtschaftliche Position wie China, und die Entwicklung des Handels kann den gemeinsamen Nutzen dieser Staaten fördern. Und das dient der ausgewogenen Entwicklung weltweit."
China legt sein Geld verstärkt in Europa an
Richard Wiens
Die Devisenreserven Chinas, ohnehin die größten weltweit, sind im vergangenen Jahr erneut gewachsen. Die Bestände an ausländischen Währungen legten im Jahr 2010 um 18,7 Prozent auf 2,85 Billionen US-Dollar (2,2 Billionen oder 2200 Mrd. Euro) zu, teilt die Zentralbank der Volksrepublik mit… Die Volksrepublik gilt schon lange als der wichtigste Financier der USA, doch auf der Suche nach rentablen Anlagen ihrer Devisenreserven findet China immer öfter auch den Weg nach Europa…
China hatte erst jüngst mitgeteilt, den Ländern der Eurozone bei der Bewältigung der Krise finanziell zu Hilfe zu kommen. Spanien wurden Käufe von Anleihen im Wert von sechs Mrd. Euro in Aussicht gestellt, dieses Volumen hat China bereits in griechische und portugiesische Papiere investiert. Die Hilfe für die bedrängten Euroländer erfolgt freilich nicht ganz selbstlos. Zum einen kommt es China gelegen, wenn die Wirtschaft in dem für die Volksrepublik wichtigen Exportmarkt Europa gut läuft. Zum anderen stützt man die eigenen Devisenbestände...
Auch Japan, die zweite große Wirtschaftsmacht in Fernost, interessiert sich für Europa. Die Regierung „denkt darüber nach“, mehr als 20 Prozent der von der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) geplanten Staatsanleihen zu erwerben, kündigte Japans Finanzminister Yoshihiko Noda an. Japan nimmt unter den Ländern mit den größten Devisenreserven mit 1906 Mrd. Dollar hinter China den zweiten Platz ein.“
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Financial Times Deutschland Von Mathias Ohanian, Martin Kaelble und Rolf Becker |
14.01.2011
Die Ungleichgewichte im globalen Handel haben im vergangenen Jahr teilweise dramatisch zugenommen. Allein das Defizit in der US-Handelsbilanz stieg in den ersten elf Monaten 2010 annualisiert um mehr als 33 Prozent auf 500 Mrd. Dollar im Vergleich zum Vorjahr… Auch die Handelsdefizite anderer großer Industrienationen legten deutlich zu. Im Gegenzug stiegen die Überschüsse der Exportstaaten Deutschland und Japan ebenfalls kräftig an.
- Allein China trug zum Abbau der globalen Unwucht bei.
Nach Einschätzung vieler internationaler Fachleute sind die globalen Ungleichgewichte eine Ursache für die Finanzkrise und die folgende Weltrezession. Im Jahr 2009 schien es zunächst, dass die Verwerfungen zurückgingen: So schrumpften die Außenüberschüsse und -defizite vieler großer Industrie- und Schwellenländer… Zwar sank das Handelsdefizit der weltgrößten Volkswirtschaft im November um 0,3 Prozent auf 38,3 Mrd. Dollar, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Auf das Gesamtjahr gerechnet dürfte der Fehlbetrag aber um ein Drittel zugelegt haben...
Noch deutlich stärker stieg 2010 das Handelsdefizit Großbritanniens. Das Minus kletterte nach den ersten elf Monaten um über 50 Prozent auf rund 41 Mrd. Pfund - trotz der Exporterfolge der Industrie zuletzt. Auch innerhalb der Euro-Zone hat sich die Unwucht bislang nicht entschärft. Der Fehlbetrag in der französischen Handelsbilanz stieg sogar weiter an: das Defizit legte 2010 um 16 Prozent auf 46 Mrd. Euro zu…
Demgegenüber haben viele europäische Überschussländer - allen voran Deutschland - 2010 einen kräftigen Anstieg der Außenüberschüsse verzeichnet. Hierzulande stieg das Handelsplus 2010 um über elf Prozent an.
Auch die Exportnation Japan trägt kräftig zum Wiederanstieg der globalen Ungleichgewichte bei. Der japanische Handelsüberschuss stieg in den ersten elf Monaten 2010 sogar um satte 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Und das, obwohl die Exportfirmen insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte unter dem starken Yen-Anstieg zu leiden hatten.
- Allein Exportweltmeister China konnte 2010 seinen Handelsüberschuss um knapp sieben Prozent senken. "China ist das einzige Land, das real aufgewertet hat und damit zum Abbau der globalen Ungleichgewichte beiträgt", sagte Heiner Flassbeck, Chefökonom der Welthandelskonferenz Unctad.
Erst in ihrem am Mittwoch veröffentlichten jährlichen Wachstumsbericht betonte die EU-Kommission, dass eine Korrektur der makroökonomischen Ungleichgewichte eine zentrale Bedingung für Wachstum sei - für die Euro-Zone gelte dies besonders stark. Mitgliedsstaaten mit großen Leistungsbilanzdefiziten müssten unter anderem ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Staaten mit hohen Überschüssen müssten die Ursachen schwacher Binnennachfrage angehen.“
Der Export hat das Vorkrisenniveau fast erreicht ...
www.faz.ne Von Philip Plickert und Georg Giersberg
"In den ersten drei Quartalen 2010 sind die Exporte um 19 Prozent, die Importe sogar um 19,4 Prozent gestiegen", sagte Jens Nagel, Geschäftsführer beim Außenhandelsverband BGA, dieser Zeitung… Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts für das dritte Quartal hat die deutsche Warenausfuhr mit einem nominalen Wert von 244,9 Milliarden Euro das Niveau vor Einsetzen der schweren Rezession beinahe wieder erreicht… Im Gesamtjahr war der Rekord mit 985 Milliarden Euro erreicht worden… Für das kommende Jahr erwartet der Außenhandelsverband BGA aber einen weiteren Anstieg des Exports um 7 Prozent… Bemerkenswert ist, wie stark sich die relative Bedeutung der Absatzmärkte verschiebt.
"Die Wachstumstreiber sind die Boomländer Asiens, in erster Linie China, aber auch die arabischen Länder, Russland und Lateinamerika", erklärt der BGA-Fachmann.
Die Zahlen des Statistikamts zeigen, wie stark vor allem der Export nach China zunimmt: Er betrug im dritten Quartal 13,7 Milliarden und lag damit um mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) höher als im Vorjahreszeitraum. Vor zwei Jahren war die Ausfuhr nach China nur halb so groß wie die in die Vereinigten Staaten, nun hat die Ausfuhr nach China einen Anteil von fast 6 Prozent; Amerikas Anteil ist auf 7 Prozent gesunken.
Immer noch geht der bei weitem größte Teil der deutschen Ausfuhr in die Länder der Europäischen Union (fast 60 Prozent) und des Euro-Raums (knapp 40 Prozent), wobei die Anteile sinken… Die exportstärkste Branche in Deutschland ist mit 145 Milliarden Euro die Elektroindustrie. Mit einigem Abstand folgen fast gleichauf der Maschinenbau, die Chemie und die Automobil industrie. "Die Chinesen geben das Tempo vor", betont Klaus Mittelbach, Vorsitzender des Verbandes der Elektronikindustrie ZVEI. "Vor allem unter dem neuen Megathema Elektromobilität wird dort schnell eine flächendeckende Infrastruktur vor allem an Ladestationen aufgebaut, die einen enormen Bedarf auch an deutschen Zulieferteilen hat."
Auch Indien gewinnt an Bedeutung. Die Ausfuhr der deutschen Elektroindustrie nach China sei in den ersten neun Monaten des Jahres um 46 Prozent, die nach Indien sogar um 55 Prozent gestiegen. Ein weiterer Wachstumsmarkt ist Lateinamerika: Nach Argentinien exportierte die Elektroindustrie sogar 107 Prozent mehr als im Vorjahr."
Chinas Geldmengenkontrolle muss (noch) sein | wissen.de
Von Fan Gang
Nicht lange nachdem der Zentralbankrat der Vereinigten Staaten seine zweite Runde der "quantitativen Lockerung" (QE2) angekündigt hat, kündigte die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China (PBC), zwei Erhöhungen des Mindestreservesatzes um 0,5 Prozentpunkte an.
- Der Mindestreservesatz liegt derzeit bei 18,5 Prozent - selbst global gesehen ein historisches Hoch.
- Während die Fed plant, mehr Geld in die US-Wirtschaft zu pumpen, versucht die PBC die Geldmenge, die in China im Umlauf ist, zu reduzieren. Geld, das die Geschäftsbanken aufwenden, um auf den Mindestreservesatz zu kommen, der auf den Konten der PBC liegt, kann nicht mehr als Darlehen vergeben werden. Daher gibt es derzeit in China mehr brachliegendes oder inaktives Geld denn je.
Es ist verständlich, dass die Fed die Nachfrage ankurbeln will, solange die US-Konjunktur weiterhin Not leidet. Aber warum hat die PBC die Geldpolitik so stark gestrafft? Die chinesische Wirtschaft ist derzeit nicht in einer Überhitzungsphase. Das Wachstum ist mit rund 10 Prozent pro Jahr immer noch hoch, hat jedoch angefangen abzuflachen… Es handelt sich dabei stattdessen um
- eine präventive Strategie der PBC: Die übergroße Liquidität soll sterilisiert und die Geldmenge unter Kontrolle gebracht werden, um eine Inflation oder Überhitzung zu verhindern…
Tatsächlich sind Chinas Devisenreserven allein im September im Vergleich zum August um fast 100 Mrd. Dollar gestiegen. Mit der Erholung der Weltwirtschaft fing Chinas Handelsbilanzüberschuss an zu wachsen. Zudem sind die Kapitalzuflüsse beträchtlich angestiegen, was auf die realen Investitionsmöglichkeiten in der schnell wachsenden Wirtschaft und die erwartete Aufwertung des Renminbis zurückzuführen ist.
Doch bedeutet die rapide Zunahme der Devisenreserven, dass die inländische Geldmenge ansteigt, da die PBC für jeden Dollar, den sie erhält, 6,64 RMB (seit Juni um 3 Prozent gefallen) in Umlauf bringt. Das bedeutet, dass sich die Geldmenge im September um nahezu 700 Mrd. RMB vergrößert hat. Die beiden Erhöhungen des Mindestreservesatzes um 50 Basispunkte haben lediglich die gleiche Summe an Liquidität gebunden.
Ein Land mit einem Leistungs- und Kapitalbilanzüberschuss sowie zunehmenden Devisenreserven weist normalerweise eine übermäßige Geldmenge und eine hohe Inflation auf. Doch während eine übermäßig Geldmenge für China Realität ist - die PCB verfügt zurzeit über
- mehr als 2,6 Billionen US-Dollar Devisenreserven -, war die Inflation dank der Sterilisierungsstrategie bisher recht gemäßigt. Der Mindestreservesatz ist nur ein Beispiel für ein typisches Sterilisierungsinstrument. Ein weiteres ist der Verkauf von Staatsanleihen, die sich im Besitz der Zentralbank befinden, um Geld aus dem Umlauf zu nehmen - wieder das genaue Gegenteil von dem, was die Fed gerade macht. Da die chinesische Regierung der Öffentlichkeit nicht viel Geld schuldet, hat die PBC ihren Besitz an Staatsanleihen 2005 verkauft. Also musste sie etwas anderes erschaffen, das sie verkaufen konnte. Sie erstellte die sogenannten "Central Bank Bills", das sind Schatzwechsel der Zentralbank, die Geschäftsbanken freiwillig kaufen sollen. Wenn sie dies tun, wird das von ihnen bezahlte Geld ebenfalls auf den Konten der PCB gebunden. Aktuell sind 5-6 Prozent der Gesamtliquidität auf diesem Wege an die Zentralbank zurückgeflossen.
Ferner setzt die PBC gelegentlich unkonventionelle Instrumente ein, z. B. "Kreditgrenzen" oder "Kreditquoten", die den Geschäftsbanken auferlegt werden. Dies kann zu "zusätzlichen Reserven" führen, die die Geschäftsbanken nicht nutzen können, um mehr Kredite zu vergeben. Die in diesem Jahr eingeführten Kreditquoten haben den chinesischen Geschäftsbanken 2-3 Prozent zusätzliche Reserven beschert.
Zählt man die Auswirkungen der Sterilisierungsbemühungen der PBC zusammen, ist etwa
- ein Viertel der gesamten chinesischen Notenbankgeldmenge illiquide. Daraus folgt: Obwohl Chinas Geldmenge beim jetzigen Verhältnis der M2 zum BIP von ca. 190 Prozent insgesamt exzessiv erscheint, ist die reale Notenbankgeldmenge tatsächlich wesentlich geringer, als es den Anschein hat. Daher bleibt Chinas Inflation, ebenso wie die Preise für Vermögenswerte, unter Kontrolle…
- Ein Hauptproblem, das auf China zukommt, ist die Frage, wie die Leistungs- und Kapitalbilanzüberschüsse reduziert werden können, um das Devisenvermögen zu verringern. Zwar ist eine weitere Aufwertung des Wechselkurses erforderlich, doch kann dies nur eine untergeordnete Rolle spielen.
- Die wichtigste Aufgabe für China ist, die Sparquote zu verringern, die im Jahr 2009 bei 52 Prozent des BIP lag. Verschiedene fiskalische, sozialversicherungstechnische und steuerliche Reformen sollten zu diesem Zweck Priorität genießen.
Doch scheint es, als würden sowohl die Aufwertung als auch die Reform noch eine Weile dauern. In der Zwischenzeit erscheint es ebenfalls unwahrscheinlich, dass die Ursachen für das globale Ungleichgewicht auf US-Seite in kürze verschwinden. Und nun, wo die Fed ihre QE2 auf den Tisch gelegt hat, könnten sich die Bedingungen verschlechtern, bevor sie sich verbessern. Die PBC könnte ihre Sterilisierung in der näheren Zukunft noch eine Weile fortsetzen müssen.
Copyright: Project Syndicate, 2010. www.project-syndicate.or
Fan Gang ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Peking und der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Er ist Direktor des Nationalen Wirtschaftsforschungsinstituts Chinas, Generalsekretär der China Reform Foundation und ehemaliges Mitglied des Ausschusses für Geldpolitik der Chinesischen Volksbank
2007: Eine Vorausschau vor der Krise
Eine globale "new economy" ist im Entstehen.
Die „globalen Ungleichgewichte“ bedrohen zunehmend das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Rolle des Dollars gerät als weltweite Leitwährung zunehmend in Gefahr. Die Handels- und Leistungsbilanzdefizite der USA wachsen unaufhaltsam im Gleichschritt mit der Produktivität, den Handelsüberschüssen und Währungsreserven von Schwellenländern, wie China.
THESE:
Das exzessive Streben nach immer höheren Renditezielen, die Gier nach Profiten und Dividendenausschüttungen, der Transfer von Kapital und Technologie von den reichen Industrie- in die Niedriglohnländer und die Sogwirkung der in Übersee entstehenden Binnenmärkte auf das Kapital der entwickelten Industriestaaten bringen die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht und schaffen „globale Ungleichgewichte“.
Während die Angst vor einer globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wächst, keimt die Hoffnung auf eine globale „weiche Landung“ ohne Depression, Inflation, Elend und Massenarbeitslosigkeit.
Es scheint, als verringere das „globale Wirtschaftswachstum“ in Zukunft immer mehr die Armut in der Welt und besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern, während es gleichzeitig den Lebensstandard in den reichen Ländern drückt...
Während die Vereinigten Staaten immer exzessiver Kapital- und Technologietransfer betreiben, Finanzgeschäfte tätigen, Renditeziele verwirklichen, Dividendenausschütten, Investmentbanking und Profitmaximierung realisieren, setzen Länder, wie China und Indien, auf Produktion und Entwicklung ihrer Volkswirtschaften.
Während die Vereinigten Staaten bis heute immer mehr Schulden anhäufen infolge von Handels- und Leistungsbilanzdefiziten , erwirtschaften viele Schwellenländer immer mehr Kapital für Investitionen in die Produktion und Infrastruktur und häufen Guthaben in Form von Währungsreserven an.
Im Zuge einer scheinbar unaufhaltsam fortschreitenden Globalisierung und weltweiten Arbeitsteilung ziehen sie die produzierende Industrie samt Technologie und Arbeitsplätzen aus den reichen Ländern ab. Die US-Regierung fördert nach Kräften diesen Kapital- und Technologietransfer nach Übersee und damit die Gewinne der "Global Player".
Die Folgen sind der Verlust amerikanischer Arbeitsplätze, ein "Ausbluten" der amerikanischen gewerblichen Volkswirtschaft und die Entstehung einer "Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft". Wirtschaftswachstum durch kreditfinanzierten Konsum und Profitmaximierung um jeden Preis ist das Glaubensbekenntnis der angloamerikanischen Neoliberalen. Der Preis, den sie dafür zahlen, wird immer höher und lässt sich ablesen an den tiefroten Zahlen der Handels- und Leistungsbilanzdefizite.
Die "Spirale der globalen Ungleichgewichte" wächst mit dem Handelsdefizit der USA, weil die USA viel mehr aus dem Ausland importieren, als sie dorthin exportieren. Das US-Leistungsbilanzdefizit wächst, weil die USA ihr durch Konsum getriebenes Wirtschaftswachs tum mit Geld finanzieren, das sie gar nicht besitzen. Sie leben weit über ihre Verhältnisse und versinken immer tiefer in Schulden.
Während die Finanzgeschäfte von Investmentbanking , Versicherungen, Finanzinvestoren, "hedge-fonds" und von "private-equity" blühen und die globalen Konzerne glänzende Gewinne machen, sind die Bürger in den reichen Industrieländern die Geschädigten, die Immobilien-Schulden anhäufen, Kaufkraft, Kreditwürdigkeit, soziale Sicherheit und Arbeitsplätze verlieren.
Das Mindeste sind Mindestlohne und Mindeststandards.
Ein sozialer Ausgleich als Entschädigung für den Verlust von Lebensqualität im Gefolge von neoliberaler Globalisierung wird immer dringender. Die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländer dagegen gewinnen Millionen Arbeitsplätze, zunehmende Kaufkraft, soziale Sicherheit, technologisches Wissen und häufen immer mehr Reichtum und Währungsreserven an im Zuge einer globalen "new economy", die sich am Wachstum der Volkswirtschaften orientiert und nicht zuallererst am Profit des Einzelnen.
Die wirtschaftlichen und politischen Kraftlinien in der Welt sind dabei, sich zu verschieben, ebenso wie die Wertvorstellungen über ökonomisches Handeln.
Rückblende Januar 2007
Irgendwann...
in nicht allzu ferner Zukunft...
Bremen im Januar 2007 vor der Krise
11 - Globalisierung zähmen
„Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft...
wird die Binnennachfrage und der Konsum in den USA gedämpft, die Zinsen- und die Sparquote erhöht, die Liquidität vermindert und die US-Staatsausgaben im sozialen und auch im militärischen Bereich gesenkt werden müssen.“
In den kommenden Jahren…
„Es darf weiterhin vermutet werden, dass die US-amerikanische Gesellschaft in den kommenden Jahre damit beschäftigt sein wird, sich von der zu erwartenden Finanz- und Wirtschaftskrise zu erholen, sich zu konsolidieren, angehäufte Schulden zurückzuzahlen und trotz wahrscheinlich sinkender Einkommen und Steuereinnahmen die auflaufenden Zinsen zu bedienen.“
„Der Treibstoff“ des „künstlichen Konsum“
„Nach dem Zusammenbruch der „New-Economy“ in den USA waren die Zinssenkungen politisch gewollt und das wichtigste finanzpolitische Instrument der US-Zentralbank und des US-Finanzministeriums zur Stabilisierung der Wirtschaft.
>Dieses ökonomische Stimulans wird in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen, denn es hat Spekulationsblasen erzeugte. Das „billige“ Zentralbankgeld der US-amerikanischen Notenbank wird in Zukunft bei wachsenden Schuldenbergen knapper gehalten werden müssen. Bis jetzt war es ein wichtiger, wenn nicht sogar „der Treibstoff“ des „künstlichen Konsum“ gesteuerten Wirtschaftsaufschwungs in den USA.“
Die „Politik des billigen Geldes“
„Mit ihrer „Politik des billigen Geldes“ gelang es der US-Notenbank FED, die sich in privaten Händen befindet und berechtigt ist, durch den Druck grüner Dollars die Geldmenge zu vermehren, die USA relativ rasch aus der Wirtschaftskrise herauszuführen und eine lang anhaltende Rezession zu vermeiden, während sie gleichzeitig das Wachstum globaler und hausgemachter interner Ungleichgewichte gefördert hat.
>Ein großer Teil des Geldes, das die Notenbank in das Wirtschaftssystem gepumpt hat, ist nicht in den Bau neuer Fabriken und in neue Arbeitsplätze geflossen. Es wird von Spekulanten und kurzsichtige Finanzinvestoren rund um den Globus gejagt, immer auf der Suche nach einer gewinnträchtigen Anlage. Je mehr liquides Geld im Umlauf ist, desto enger werden die Anlagemöglichkeiten und Gewinnchancen und desto eher sind Kapitalanleger bereit, auch große Risiken einzugehen.“
Amerikas Wirtschaft ist süchtig nach Liquidität.
Leider ist das Wirtschaftswachstum auf angloamerikanischer Seite nicht solide. Es ist kreditfinanziert und in vielen Bereichen völlig überzeichnet und blasenartig überzogen.
Übertreibungen sind in den USA entstanden an den Immobilienmärkten, bei der Kreditaufnahme der Verbraucher und bei der Kreditvergabe der Banken, bei den kreditfinanzierten Fusionen und Beteiligungsgeschäften oder auch bei den kreditfinanzierten Übernahmen ganzer Unternehmen durch Private Equity. Immer macht irgendjemand in den USA zu viele Schulden. Amerikas Wirtschaft ist süchtig nach Liquidität. Nur damit lassen sich Finanzgeschäfte machen. Die Wall-Street triumphiert in den USA. Die USA haben nicht nur im eigenen Lande große Schulden angehäuft, sondern auch im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem. Viele Schwellenländer haben sich zu Gläubigerstaaten der USA entwickelt und legen ihre Reserven in US-Dollar an. Solange der Dollar stabil ist, sind die Risiken gering.
>Irgendwann einmal werden die Gläubiger ihre Kredite zurückfordern, spätestens dann, wenn die Gefahr besteht, daß die Kredite Not leidend werden und die Rückzahlung nicht mehr gesichert ist. Dann kann es zu Panikreaktionen und Herdenverhalten kommen, was auf den Finanzmärkten mit schöner Regelmäßigkeit vorkommt.
Die Schwellenländer stehen heute viel besser da.
Die Asienkrise begann 1997, ausgehend von Thailand, in Ostasien zu wüten und erfaßte das unter Jelzin radikal neoliberal transformierte Rußland im Jahre 1998. Ende 2001 folgte die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens, das sich in den Jahren zuvor zu einem der neoliberalsten Vorzeigeschüler gemausert hatte. Ein Jahr später hatte es Brasilien erwischt, das nur mit Mühe und voller Schulden am Staatskonkurs vorbei geschlitterte. Zu allem Überfluß verschlimmerte der IWF und die Weltbank die weltweite Krise, weil sie sich von den Industriestaaten mit deren Übermacht bei den Quoten instrumentalisieren ließen und zuallererst die Finanzinteressen der privaten Gläubiger aus den reichen Geberländern schützten, um für sie zu retten, was noch zu retten war. Den tief in der Krise steckenden Ländern wurden Kredite gewährt, die die Bedienung der Forderungen der ausländischen Gläubiger sicherstellen sollten und nicht den Wiederaufbau der am Boden liegenden Volkswirtschaften.
Wie die meisten Schwellenländer stehen die südamerikanischen Länder heute viel besser da. In den 90er Jahren hatten auf Druck der reichen Industriestaaten im Schlepptau der USA viele Regionen in der Welt neoliberale Glaubensbekenntnisse befolgt und zu guter Letzt große Leistungsbilanzdefizite eingefahren. Enttäuscht wandten sich viele von ihnen nach den bitteren Erfahrungen der Asien- und Lateinamerikakrisen ab von den neoliberalen Wirtschaftsprinzipien angloamerikanischer Prägung.
>Erste Erfolge zeigen sich heute, wenn sie Überschüsse erwirtschaften. Der aggregierte Leistungsbilanzüberschuss aller Schwellenländer wird heute auf über 500 Milliarden Dollar geschätzt. Dazu kommen Währungsreserven in Höhe von drei Billionen US-Dollar.
Vor sechs Jahren während der Asien- und Lateinamerikakrise war das noch anders. Damals waren die Währungsreserven sehr schnell aufgebraucht, als ausländische Banken und private Finanzinvestoren ihre kurzfristigen Kredite panikartig und gewissermaßen über Nacht zurückforderten.
7 - Globalisierung zähmen Der Aufbau von Währungsreserven
„Ein weiterer nahe liegender und wahrscheinlich der eigentliche Zweck des derzeitigen Währungsregimes der Schwellenländer ist es, die seit Jahren laufende Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft mit den „Wachstumslokomotiven“ China und USA in verteilten Rollen aufrechtzuerhalten. Das ist die Konstellation einer globalen Arbeitsteilung, die bisher ganz wesentlich zum weltweiten Wachstum, insbesondere in den Schwellenländern beigetragen hat.
>Der Aufbau von Währungsreserven hält diese Konstellation des Wachstums der Weltwirtschaft am Laufen. Der Dollar wird dadurch gestützt.“
Die Versuchung, sich durch Abwertung zu entschulden.
„Der gesamte Wert der Dollar-Schulden der USA und die Last der Verbindlichkeiten wird in dem Maße geringer werden, in dem der Wert des US-Dollars im Verhältnis zu anderen Währungen sinken wird, z. B. zum japanischen Jen, zu Währungen aus dem an Erdöl reichen Nahen Osten oder zu asiatischen Währungen.
>Die USA könnten der Versuchung erliegen, sich durch Abwertung zu entschulden. Das wiederum wäre vermutlich der Anfang vom Ende der Rolle des Dollars als Leitwährung in der Welt und der Anfang vom Ende der amerikanischen Vorherrschaft im Weltfinanzwesen und im Welthandelssystem.“
Globalisierung zähmen Der Preis, den China zu zahlen hätte
Wenn der US-Dollar in Zukunft weiter an Wert verlieren sollte, was schon heute viele Experten und Wirtschaftswissenschaftler für unausweichlich halten, dann sinkt auch der Wert der chinesischen Dollarreserven und der chinesischen Sparguthaben.
>Das wäre dann wohl der Preis, den China für sein durch den amerikanischen Konsum getriebenes Wachstum, inklusive mitgeliefertes amerikanisches Know-How, zu zahlen hätte und dazu wohl auch bereit ist.
Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse
„Aufgrund des dynamischen und wirtschaftlichen Wachstums und der günstigen Rahmenbedingungen für Investitionen wird sich der Schwerpunkt der Weltwirtschaft nach Ostasien und in den asiatischen Teil der pazifischen Region verlagern.
>Eine Verschiebung der politischen Kräfteverhältnissen zugunsten der Schwellen- und Entwicklungsländer deutet sich schon heute an.“
Globalisierung zähmen Boom noch für mindestens 10 Jahre
Es scheint, als habe Chinas Industrialisierung mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen gerade erst so richtig begonnen… Allein China und Indien haben zusammen eine Bevölkerung von über zwei Milliarden Menschen. Das ist ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Das Potential ist riesig. Die Chancen der Globalisierung mit Hochtechnologie, Containerschifffahrt, Datenautobahnen, Internet und weltweitem Austausch von Gütern und Dienstleistungen werden schon heute von vielen Schwellenländern genutzt…
>Die meisten Experten davon aus, dass der gegenwärtige Boom noch für mindestens 10 Jahre anhält, denn mit der Industrialisierung Indiens und Chinas sind zwei riesige neue Märkte entstanden, die mehr nachfragen, als derzeit geliefert werden kann… Für die Entwicklungsländer ist der Preisanstieg am Rohstoff- und Energiemarkt ein Segen und von überragender Bedeutung…
>Die höheren Einkommen bieten den Entwicklungsländern, vor allem auch im bitterarmen Afrika, die Chance, am weltweiten Wirtschaftswachstum und an der Zunahme des globalen Wohlstands teilzunehmen, wenn dieser auch oft ungleichmäßig und ungerecht verteilt ist.
16 - Globalisierung zähmen Die sogenannten „BRIC“- Länder
„Die Schwellenländer errichten eine neue Form von globaler Arbeitsteilung mit China als Werksbank, Indien als Hightech-Schmiede, Russland als Energie- und Brasilien als Rohstofflieferant, um es anhand eines grob vereinfachten Bildes dieser sogenannten „BRIC“- Länder deutlich zu machen. Die Märkte sind riesig, Produktivkräfte und Technologien stehen zur Verfügung und es ist zu erwarten,
>dass das weltweite Wachstum anhalten wird, auch wenn sich der Binnenmarkt in den USA abkühlen sollte.“
Globalisierung zähmen Angebot und Nachfrage im Welthandel
Die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften, nach einem günstigen Produktionsumfeld, nach Absatzmärkten, Energie und Rohstoffen ist groß.
>Als Gegenleistung für die hohen Gewinne und für die Aussicht auf künftig noch höhere, erwarten viele Länder Kapital- und Technologietransfer und nutzen dabei geschickt die Konkurrenz zwischen den Konzernen für ihre Zwecke aus. Insbesondere die asiatischen Länder locken Investoren an aus dem Ausland, die Technologie mitbringen. Die wiederum nutzen ihrerseits die billigen Arbeitskräfte und kostengünstigen Produktionsbedingungen in Asien, um preiswert für den Weltmarkt und zunehmend auch für die Binnenmärkte zu produzieren, die sich jetzt in den Niedriglohnländern immer mehr entwickeln.
>So entstehen in Asien Arbeitsplätze und eine industrielle Infrastruktur, begleitet von einem Technologietransfer, der dem langfristigen Aufbau dieser Volkswirtschaften dient.
Direktinvestitionen und Technologie-Transfer
>Direktinvestitionen bedeuten vor allem auch Technologie-Transfer, naturgemäß begleitet von einer Hebung des Bildungsniveaus in den Niedriglohnländern. Steigende Produktivität steigert den Wert der Ware Arbeitskraft und führt zu höheren Löhnen. Die Kaufkraft steigt. Es entwickelt sich ein Binnenmarkt, der neue Gewinne und größere Wettbewerbsfähigkeit für die globalen Konzerne verspricht.
Irgendwann in fernerer Zukunft werden die Märkte gesättigt sein und irgendwann in fernerer Zukunft wird sich das Lohnniveau in der Welt überall tendenziell und vielleicht weitgehend angleichen. Dann erst hat das Kapital hat keinen gewinnträchtigen Grund mehr auszuwandern und das ökonomische Pendel bewegt sich ganz langsam zurück und kommt irgendwo in der Mitte zur Ruhe.
>Vielleicht kommt das umtriebige Kapital in fernerer Zukunft erst dann zur Ruhe, wenn alle Menschen überall auf der Erde in Wohlstand leben und es seine Bestimmung erfüllt hat und überflüssig geworden ist.
Globalisierung zähmen Neue Regeln und verbindliche Normen
Es läßt sich in weiten Teilen der Weltbevölkerung der gemeinsame Wille feststellen, dem entfesselten und sozial kalten Kapitalismus neoliberaler Prägung wieder Sinn und Werte zu vermitteln, die sich mehr an den Interessen der einzelnen Länder und ihrer Bevölkerung orientieren und weniger an den entfesselten Kräften eines liberalisierten Marktes mit einer einzigen Triebfeder des Profitinteresses des Einzelnen… Die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung und Informationsübermittlung, von Telekommunikation und Internet, Kapitaltransfer via Datenhighway, von Containerschifffahrt und Luftfrachttransport haben einen Stand erreicht, bei dem alles immer schneller, perfekter und kostengünstiger weltweit als Ware gehandelt werden kann, einschließlich der Ware Arbeitskraft. Heute erscheint die Welt, von dieser Warte aus gesehen, ein bisschen wie ein globales Dorf. Man würde sich wünschen, daß das allgemeine Lebensniveau der Menschen in dieser enger werdenden Welt weiter gehoben und die weltweite Armut in naher Zukunft sicher und nachhaltig beseitigt werden kann.
>Vielleicht müssen neue Regeln und Normen zwischen den Ländern in bestehenden multilateralen Institutionen, wie dem IWF oder der WTO, ausgehandelt werden, deren Ziel eben nicht vor allem die hemmungslose globale Liberalisierung und zügellose Entfesselung des privaten liquiden Kapitals auf der weltweiten Jagd nach Profiten ist.
Dann hätte die Globalisierung Früchte getragen…
Multilateral konsensfähig, weil wahrscheinlich vom derzeitigen Stand der ökonomischen Entwicklung vorgezeichnet, scheint zu sein, dass die USA ihre Ausgaben vermindern und ihre Sparquote erhöhen müsse… Auf der anderen Seite werden vor allem die Schwellenländer Ostasiens aufgefordert, ihren Teil zur Reduzierung der globalen Ungleichgewichte beizutragen, indem sie weniger für den Export, dafür mehr für den eigenen Binnenmarkt produzieren und ihre hohen Sparquoten senken, um die Binnennachfrage entsprechend anzuregen… Nötig ist die Umleitung des Exports in den Binnenmarkt, die Anhebung der Kaufkraft der heimischen Verbraucher, der Auf- und Ausbau eines sozialen Netzes und der Altersvorsorge, um so die zu hohe Sparquote zu senken…
>Sollte das die Richtung sein, in die die Weltwirtschaft und die weltweite Arbeitsteilung durch die von der Globalisierung hervorgebrachten Widersprüche getrieben wird, dann hätte die Globalisierung Früchte getragen, die es jetzt zu ernten gilt.
„Die Stimulierung der Binnennachfrage
und damit die Bekämpfung der Armut einer Hunderte von Millionen zählenden Bevölkerung ist heute in China der Weg, um aus der Exportlastigkeit des wirtschaftlichen Wachstums und um aus der Abhängigkeit der chinesischen Industrie von dem amerikanischen Markt herauszukommen.
>Das scheint der einzig gangbare chinesische Beitrag zum Abbau der globalen Ungleichgewichte zu sein.“
136 - Globalisierung zähmen Fortschritte bei der Erreichung der Millenniumziele
„In ihrem Jahresbericht 2006 schreibt die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung ( Unctad ):
>„Seit 2002 hat die Weltwirtschaft einen starken positiven Impuls auf das Wachstum und auf die Verminderung der Armut in Entwicklungsländern.
>Damit gab es Fortschritte bei der Erreichung der Millenniumziele der UNO.“
faz.net
Von Philip Plickert
26. Dezember 2010
„Die bittere Erfahrung der jüngsten Finanzkrise wirft die grundsätzliche Frage auf: Was ist die ökonomisch angemessene Größe des Finanzsektors relativ zur ganzen Volkswirtschaft?...
Ökonomen der englischen Notenbank stellen kritisch fest, dass der aufgeblähte Finanzsektor bloß Scheingewinne ohne Substanz gebracht habe.
Es ist unbestritten, dass moderne Volkswirtschaften entwickelte Kapitalmärkte brauchen. Ihre Aufgabe ist es, das Geld der Sparer zu bündeln und denen zukommen zu lassen, die Investitionsideen haben. Banken sind Finanzintermediäre – die Brücke zwischen Kapitalangebot und Realwirtschaft.
Die Krise hat aber gezeigt, dass die Brücke ins Nichts führen kann, wenn sich der Finanzsektor von der Realwirtschaft entkoppelt. Das angebliche Produktivitätswunder der Banker war nur eine Illusion…
Deutschland kann immerhin froh sein, dass es vor der Krise keinen eklatant aufgeblähten Finanzsektor hatte. Deutschlands Stärke war und ist die Industrie. Während sich die Briten vom verarbeitenden Gewerbe verabschiedeten, dessen Anteil am BIP seit Mitte der neunziger Jahre von knapp über 20 auf 13 Prozent sank, und in den Vereinigten Staaten schon früher die Wirtschaft von Dienstleistungen bestimmt war, mit einer industriellen Basis von nur etwa 13 Prozent, hielt die Industrie hierzulande wacker ihre Stellung. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung ist seit der Jahrtausendwende sogar leicht von 22 auf 24 Prozent des BIP gestiegen. Maschinenbau und Automobilbau, beides klassische Industrien, sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft; sie tragen den aktuellen Aufschwung.
Inzwischen haben auch Amerika und Großbritannien erkannt, dass es ein Fehler war, zu einseitig auf Dienstleistungen und besonders den Finanzsektor zu setzen. Das Land brauche weniger Financial Engineering und mehr richtige Ingenieure, klagt die Londoner Regierung.“
„Sehr geehrte Damen und Herren.
Bremen, 06.April 2007
"Ich wende mich an Sie anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels der reichen, entwickelten Industriestaaten, der Anfang Juni 2007 in Heiligendamm unter Vorsitz der deutschen Bundesregierung stattfindet.
Soll Europa gemeinsam mit den Schwellen- und Entwicklungsländern eine neue Art von globaler "new economy" aufbauen
- in den sich entwickelnden Wachstumsmärkten der "Dritten Welt"
- in einem Klima von Geschäftstüchtigkeit und Fairness
- in Partnerschaft und "Harmonie“ nach innen und außen und
- unter Achtung international verbindlicher Regeln und
- insbesondere des Völkerrechts.
Schwellenländer, wie China und Indien, sind mit ihrem Bevölkerungsreichtum und wirtschaftlichen Potential treibende Kräfte der Globalisierung geworden und könnten in Zukunft zu „Wachstumsmaschinen“ der Weltwirtschaft werden. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer nutzen ihre Chancen und „gestalten Globalisierung“, indem sie sie für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften nutzen und das mit einer erstaunlichen Krisenfestigkeit und auf hohem Wachstumsniveau seit Jahren.
Der „Exportweltmeister Deutschland“ profitiert seit Jahren mehrfach in Folge von dem neuen ökonomischen Umfeld. Der Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbau ist weltweit gefragt und die Nachfrage nach deutscher Innovation wird auch bei Zukunftstechologien zunehmen, die Natur- und Ressourcenschonender sind und das Leben auf unserem Planeten lebenswerter gestalten.
Das Potential ist vorhanden. Es muss nur in respektvoller Partnerschaft gemeinsam mit den Schwellen- und Entwicklungsländern weiterhin genutzt werden. Vielleicht wird ein Umdenken ist erforderlich.
Diplomatisches Geschick und behutsames Handeln der Regierungen wird erforderlich sein, um „ Globalisierung zu zähmen " und " ihre Früchte zu ernten". Wenn die urwüchsig von statten gehende Kräfteverschiebung in der Welt weiterhin friedlich verläuft, dann kann ein angemessener und gerechter Anteil an der Zukunft der Menschheit Millionen von Arbeitskräften und Verbrauchern in den Ländern zu Gute kommen, die bisher zu kurz gekommen sind.
Kapital- und Technologietransfer, etwa in Form von Direktinvestitionen, können ein Segen sein für die sich entwickelnden Volkswirtschaften, wenn sie Arbeitsplätze schaffen, für den Ausbau von Produktionsstätten und Infrastruktur verwendet werden und das Bildungsniveau und den Lebensstand der Bevölkerung heben.
Internationale Unternehmen, Finanzinvestoren und allerhand "global player" werden ihnen weiterhin dabei helfen, denn sie befinden sich in einem unerbittlichen Wettbewerb und müssen deshalb immer weiter steigende Profite erzielen, bei Strafe des Untergangs.
Die besten Gewinnchancen bieten derweil und in Zukunft die Wachstumsmärkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern, insbesondere dann, wenn die internationalen Unternehmen eine Menge Arbeitsplätze, Kapital und Technologie mitbringen, denn danach besteht überall in den riesigen Wachstumsregionen große Nachfrage. Eine natürliche und verständliche Nachfrage.
Immer deutlicher wird, dass die amerikanische Volkswirtschaft unter der „neoliberalen“ Wirtschafts- und Finanzpolitik der US-Zentralbank Fed und der mächtigen Wall-Street zunehmend selbst leidet. Amerikanisches Kapital samt Technologie wandert aus, zahlt keine Steuern, nimmt Arbeitsplätze und know-how mit, lässt Arbeitslosigkeit, überschuldete Verbraucher zurück und eine um seine produzierende Industrie geschrumpfte amerikanische "Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft, deren Werte sich im Besitzstreben, im Konsum und in der Profitmaximierung erschöpfen.
Zu allem Überfluss leisten sich die Vereinigten Staaten auch noch einen unproduktiven Militärapparat, der zu groß ist für die Landesverteidigung, aber zu schwach, um "Neoliberalismus im Sinne von Vorherrschaft" in der Welt militärisch auf Dauer zu sichern.
Globalisierung birgt aber auch große Gefahren und Risiken für den inneren Frieden, insbesondere in den entwickelten westlichen Industriestaaten, wenn immer mehr einheimische Arbeitsplätze verloren gehen und abwandern. „Globalisierung!“ und „Vorfahrt auf dem freien Weltmarkt“ gepaart mit „Heimatschutz“ und „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ eignet sich gut für „Chauvinismus und Nationalismus“. Der Weltfriede, der äußere Friede zwischen den Völkern kann empfindlich gestört werden.
Wichtiges Ziel muss es sein, eine Welt in „Harmonie nach innen und außen“ zu schaffen.
Diese eher „gelenkte“ und „gezähmte“ Nutzung der Globalisierung scheint weniger krisenanfällig zu sein und scheint weniger den zyklischen Schwankungen eines freien, unregulierten und wild wuchernden Weltmarktes zu unterliegen. Jedenfalls wachsen viele Schwellen- und Entwicklungsländer seit Jahren stabiler und dynamischer, wenn sie bewusst ihre Volkswirtschaften entwickeln und sie nicht den Kräften des „freien Marktes“ überlassen.
China wird in Kürze voraussichtlich vor Deutschland die Führung als Exportweltmeister übernehmen und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Der Hunger der aufstrebenden Schwellenländer nach Energie und Rohstoffen wird unweigerlich zunehmen.
Das Korsett wird von Jahr zu Jahr enger, in das viele Schwellenländer eingeschnürt sind. Die aktuelle weltpolitische Situation erinnert ein ganz klein wenig an die Zeit vor den beiden Weltkriegen.
Damals betraten die aufstrebenden Wirtschaftsmächte Deutschland und Japan die weltpolitische Bühne, forderten mehr Bewegungsfreiheit für ihre sich rasch entwickelnden Volkswirtschaften und trafen dabei auf eine schon unter den Großmächten aufgeteilte Welt. Dann ging es um die Neuaufteilung der Welt, um die Weltherrschaft, auch mit totalem Krieg."
Investor Verlag Von Miriam Kraus
21.12.2010
„Hach ja, da wird mir doch ganz warm ums Herz - jetzt wo jeder den Glauben an uns verloren hat, kommen ausgerechnet die Chinesen und bereiten uns Europäern das Weihnachtsgeschenk des Vertrauens. Natürlich nicht deshalb, weil das Mitleid der Chinesen so übermäßig groß wäre, oder weil China uns schon immer mal etwas Gutes tun wollte - aber sei's drum, mich freut es trotzdem.
Unsere lieben Freunde aus China bieten unseren überschuldeten Mit-Europäern ihre Hilfe an… Ach ja, da geht für mich ein Wunsch in Erfüllung, obwohl wahrscheinlich die Hälfte aller Europäer diese Ankündigung mit leichtem Misstrauen verfolgt hat.
Kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen, denn natürlich handelt China nicht völlig selbstlos und vom Weihnachtswunder beschwipst (welcher Staat tut das schon?!), aber wenn das Land mit den höchsten Devisenreserven der Welt sein Vertrauen gegenüber uns fragmentierten, seltsamen Europäern und unserer wackelnden Währung äußert, dann kann ich daran nichts Verwerfliches finden…
Nun wissen wir alle, dass China in der Vergangenheit seine massiven Reserven vor allem an die USA verschwendet hat… Doch dann kam die Krise… und seitdem gehen die USA einen (und das muss ich jetzt wirklich auch so sagen) gefährlichen Weg. Anstatt sich auf die Reduzierung ihrer Schulden zu konzentrieren, stürzen sich die USA immer weiter hinein und das langfristig und ganz bewusst auf Kosten ihrer (und unserer Leit-)Währung.
Aus diesem und anderen Gründen… begann China schon vor einigen Monaten damit seine Reserven stärker zu diversifizieren. Und zwar unter anderem auch in den Euroraum. Bedeutet: Chinas Engagement in US-Anleihen und USD sinkt graduell, während Chinas Engagement in "Euro-Anleihen" und Euro wächst.“